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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Kindermund tut Schönheit kund

MARIA LAACH (3. Juli 2011). Die vom rheinland-pfälzischen Kulturstaatssekretär Walter Schumacher intonierte „Arie der Grußworte“ vor dem Eröffnungskonzert von RheinVokal 2011 fügte sich nahtlos in die folgende Darbietung ein, denn auch sie überzeugte durch Wohlklang: Sowohl das Land als auch der SWR und die beteiligten Kommunen stehen zu ihrem Festival, wollen es auch in Zukunft tragen und finanzieren.

Auch inhaltlich lässt sich zum Konzertinhalt daher mühelos eine Verbindung herstellen, denn die gesungene Musik stammt aus einer Zeit, in der die Herrscher vor allem in die Kunst investierten: Am Hof Ludwig XIV. existierte jene berühmte Chapelle Royale, der das 1987 gegründete Ensemble „Les Pages & Les Chantres“ in Besetzung und Repertoire genau nachempfunden ist: 20 Kinder und 17 Erwachsene musizieren mit einer Continuo-Gruppe die Kunst des Barock. Für das Eröffnungskonzert hatte man dieses Spitzenensemble nach Maria Laach eingeladen, wo mit Werken von Benedetto Marcello, Henry Purcell, Marc-Antoine Charpentier, Johann Sebastian Bach und Joan Cererols Juwelen der europäischen Barockzeit zur Aufführung kamen.

Abgesehen von der eigenwilligen Aussprache des lateinischen Textes durch die französischen Künstler war das Konzert über jeden Zweifel erhaben und schlug den Hörer durch die homogene Transparenz unmittelbar in seinen Bann. Vor allem die klangliche Kongruenz, mit der die Stimmen von Kindern und Erwachsenen zu einem erlesenen Kolorit verschmolzen, war schier atemberaubend.

In gemischten Besetzungen und mit beeindruckenden Solisten aller Altersstufen schlug man hier mit Purcells Motette „Jehova, quam multi sunt hostes mei“, Charpentiers fünfstimmigem Cantus „Transfige dulcissime Jesu“ sowie Bachs „Komm, Jesu, komm“ (BWV 229) einen Bogen von der geistlichen Musik bis zu den säkularen „Villancicos“ Cererols, die mit höfischer Rustikalität schlossen.

Die Akustik der Abteikirche nutzend experimentierte Dirigent Olivier Schneebeli gekonnt mit exponierten Aufstellungen und schuf durch Positionierung eines Fernchores auf der Empore in Charpentiers „Salve Regina“ Momente prächtiger Polyphonie, wobei der adoleszente Schmelz der Kinderstimmen mit seinem silbrigen Klang wie Raureif auf den Organen der „Älteren“ lag. Als Höhepunkt darf die Zugabe gelten: „Tota pulchra es“ von Guillaume Bouzignac, hinreißend interpretiert von vier der Jüngsten.

Angesichts dieser Klangschönheit mag man vielleicht für den Bruchteil einer augenzwinkernden Sekunde denken: Wenn man sich seinerzeit in Versailles ein solches Ensemble leistete, dann war vielleicht doch nicht alles schlecht im Feudalismus…

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