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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Ein Auftakt nach Maß

MAINZ (18. November 2012). Darauf kann das Bistum Mainz stolz sein: eine gewachsene, über Jahre umsichtig geformte Chorszene im eigenen Haus, dazu das exquisite Ensemble der Mainzer Dombläser und ein versierter Domorganist. Zusammen bilden sie die Musica Sacra am Hohen Dom, wo jetzt der neue Domkapellmeister Karsten Storck sein Antrittskonzert gab.

Ganz abgesehen vom klanglichen Ereignis eines jeden Konzerts im Hohen Dom zu Mainz, das ja über das rein Künstlerische hinaus auch immer ein klingendes Glaubensbekenntnis formuliert, ist es stets ein imposantes Zeichen, welches das Bistum hier zu setzen imstande ist: Die Musica sacra bindet vor allem im Mainzer Domchor und dem Mädchenchor am Dom und St. Quintin musikbegeisterte Jugendliche und gibt ihnen durch die chorische Ausbildung im Vokalensemble ein geistiges Rüstzeug mit, mit dem sie bei weitem nicht nur Motetten anstimmen können.

Erste Früchte einer beharrlichen Kontinuität zeigte der neue Domkapellmeister Karsten Storck jetzt in seinem Antrittskonzert, an dem mit Domchor, Mädchenchor, Domkantorei, Dombläsern und Domorganist Daniel Beckmann die komplette Musica sacra mitwirkte. Dass dies auch an höherer Stelle Beachtung findet, bewies indes die Anwesenheit von Karl Kardinal Lehmann, der dem damals gerade gewählten Kirchenmusiker ins Stammbuch schrieb, er möge auch als Leiter des Knabenchores den von ihm zu beachtlicher quantitativer wie qualitativer Stärke geführten Mädchenchor nicht vergessen. Die beeindruckende Präsenz gerade der jungen Damen zeigte, dass Storck dieser Bitte natürlich nachkommen will, wobei ihm hier in Kürze ein neuer Domkantor assistieren soll.

Bevor mit „Dextera Domini“ von Orlando di Lasso die erste Motette des Abends erklang, ergriff Domdekan Heinz Heckwolf das Wort und gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass mit Karsten Storck ein „alter Bekannter seit 2005“ nun das Amt des Domkapellmeisters bekleiden würde: „Ihm liegt die Zukunft des Domchors am Herzen“, bescheinigte ihm Heckwolf, was sich auch in seinem Engagement um die Nachwuchsgewinnung in den eigens dafür eingerichteten Singklassen an Mainzer Schulen ablesen ließe.

Dem Domkapitel habe sich Storck als „kompetenter, fleißiger und vielseitiger Kirchenmusiker“ empfohlen, dankte der Geistliche dem Musiker für sein Engagement auch im neuen Amt, in dem er die „Musica sacra mit ihren über 400 Mitwirkenden weiterführen und zu neuen Zielen führen“ möge. Den Gästen im bis auf den letzten Platz besetzten Dom rief er zu: „Freuen Sie sich auf dieses Konzert – und auch noch viele weitere unter der Leitung von Domkapellmeister Karsten Storck.“

Geboten wurden an diesem Abend zwei Stunden Kirchenmusik von überraschend hoher Qualität – überraschend vor allem deshalb, weil Storck es binnen kürzester Zeit geschafft hat, auch Knabenchor und Kantorei auf sich „einzuschwören“ und gleichsam zu „seinen Instrumenten“ zu machen. Deutlich hört man die Änderungen im Klang: Der Mainzer Domchor kommt schlanker und transparenter daher: Werke von Orlando di Lasso und Heinrich Schütz über Michael Haydn bis zu Felix Mendelssohn-Bartholdy und Bruch – in allen Epochen singen die Knaben akzentuiert, homogen und mit voll tönenden Registern.

In dieser Güte kann sich der Mädchenchor perfekt spiegeln: Blitzsauber in der Intonation und sicher auch in der auskomponierten Dissonanz beeindrucken die jungen Damen mit einer sich auffächernden Polyphonie. Auch die Erwachsenen kommen mit ihrem neuen Chorleiter offensichtlich gut klar und Heinrich Kaminskis 130. Psalm und Johann Sebastian Bachs „Komm, Jesu, komm“ münden im besonderen Klangerlebnis: Morten Lauridsens „O nata lux“ mit seinen schwebenden Akkorden, der das „Licht, vom Lichte geboren“ anmutig hörbar macht.

Die einzelnen vokalen Partien wurden an diesem Abend äußerst stimmungsvoll von Domorganist Daniel Beckmann und den Dombläsern flankiert: Auch sie dokumentieren die hohe Qualität der Musica sacra, auf die das Bistum stolz sein kann – und die es hegen und pflegen sollte.

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