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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Schwungvoll in die neue Meisterkonzerte-Saison

MAINZ (23. September 2012). Ein Flirren in den Streichern wie ein nahendes Insektenvolk? Denkt man dabei sogleich an den berühmten „Hummelflug“ von Nikolai Rimski-Korsakow, jenes emsige Interludium aus der Oper „Das Märchen vom Zaren Saltan“, liegt man zwar nicht richtig, ist aber dennoch nicht auf gänzlich falscher Fährte: Es ist die Ouvertüre „The Wasps“ des englischen Komponisten Ralph Vaughan Williams, die die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern unter der Leitung von Gérard Korsten anstimmt.

Statt Hummeln also Wespen, aber nicht minder agil und plastisch. Der volksliedhafte Melodienstrom, die impressionistischen Farbtupfer, feingestichelten Rhythmen und kichernden Triller bilden reizvolle Kontraste, wobei die samtweichen Instrumentalsoli in schwelgerisch aufblühenden Klang münden. Besonders Solohornistin Martina Reitmann bezaubert hier mit wunderbarem Ton.

Korsten hat sein „Wespennest“ bestens im Griff und setzt mit dem humorvollen Schwung dieses Werkes einen passenden Akzent, eröffnet es doch die neue Saison der Mainzer Meisterkonzerte. Nach diesem Entrée begrüßt das Publikum in der Rheingoldhalle mit Philippe Graffin einen Violinisten, der sich nicht nur im französischen Geigenrepertoire bestens auskennt: Auch Vaughan Williams Landsmann Edward Elgar liegt ihm am Herzen, was er durchaus wortwörtlich in dessen Violinkonzert h-moll op. 61 vorträgt.

Das hochemotionale, ausladende Werk geht sofort in medias res und bereitet dem Solisten im Allegro des ersten Satzes einen spannungsgeladenen Hintergrund, vor dem Graffin nicht separat Bögen ausspielt, sondern seine Linien viel weiter fasst. Rhapsodisch werden hier die einzelnen Themen vorgestellt und Solovioline wie Klangkörper halten zwischen vitalem Elan und abgeklärter Ruhe eine ausgewogene Balance. Gerade im Andante gefällt Graffin mit lyrisch entspanntem Spiel, das im strömenden Melodienfluss zu baden scheint. Hochvirtuos gelingt dem Franzosen auch die Solokadenz im finalen Allegro, das die Deutsche Radio Philharmonie überschäumend aufbaut.

Dem virtuosen Solistenauftritt folgt traditionell eine Sinfonie – an diesem Abend jene in D-Dur Nr. 2 op. 73 von Johannes Brahms. Während dieser an seiner ersten Sinfonie über zwei Jahrzehnte lang schrieb, entstand das Folgestück in nur drei Monaten und atmet einen heiteren Geist, obschon Brahms selbst sein Werk als traurig erachtete. Durch dieses Spannungsfeld führte Gérard Korsten sein Orchester mit sicherer Hand: Kantabel die Themenvorstellung nach samtigem Einstieg im Allegro des ersten Satzes, nachdenklich das vom Cello wunderbar eröffnete Adagio, grazil das leichtfüßige Allegro mit seinem erregten Presto und schließlich wie bei Elgar ein feuriges Finale – die Konzertsaison 2012/2013 der Mainzer Meisterkonzerte ist eröffnet.

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