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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Winterliche Träumereien

MAINZ (20. Dezember 2014). Auch, wenn die aktuellen Temperaturen eher frühlingshaft waren, kam in der Rheingoldhalle durch eine aparte Werkauswahl so etwas wie winterliche Weihnachtsstimmung auf: „Winterträume“ – das Motto des jüngsten Mainzer Meisterkonzerts ist auch das der ersten Sinfonie von Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840-1893), die das Konzert glanzvoll beschloss.

Stimmungsvoll gelang bereits der Beginn: Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Andreas Henning eröffnete mit der Ouvertüre aus „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck (1854-1921). Cremig der Bläserklang, samtig die Streicher – die Bögen, die der Klangkörper hier zog, schienen kein Ende zu haben. Sportlich nahm man das lebhafte Intermezzo und genoss den verspielten Duktus, um schließlich in einem sahnigen Schlussakkord zu schwelgen.

Die Solistin des letzten Meisterkonzerts in diesem Jahr war die Pianistin Olga Scheps, die mit dem d-moll-Klavierkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) brillierte. Das Publikum erlebte eine wundervoll gelebte Harmonie zwischen Orchesterklang und Soloinstrument, das sich in das Tutti gleichsam einbettete.

Apart ergänzte die lichte Transparenz der Deutschen Staatsphilharmonie den elegant-sanften Anschlag von Olga Scheps, die die Tastatur fast schon zu liebkosen schien. Zart-fließende Läufe, feingliedrige Melodik, die in der Romance des zweiten Satzes entrückt und dadurch umso präsenter erklang und zum folgenden Rondo erneut die Energie des ersten Satzes – im 19. Jahrhundert galt KV 466 als das Klavierkonzert schlechthin und Scheps zeigte dem Publikum, wieso.

Schließlich Tschaikowski: So poetisch, wie der erste Satz überschrieben ist, nämlich mit den Worten „Träumerei auf winterlicher Fahrt“, gelang der Deutschen Staatsphilharmonie das Finale. Melancholisch, fast bildhaft tupfte das Orchester hier ein Tongemälde mit sattem Klangkolorit und dynamischen Akzenten.

Dem mit „Rauhes Land, Nebelland“ überschriebenen zweiten Satz nahm das filigrane Musizieren seinen Schrecken, indem es das Bild wie mit Weichzeichner malte; humorvoll schwebend leitete das Scherzo schließlich zum hymnisch gesteigerten Finale über. Mit jubelndem Applaus bedacht entließen die Musiker ihr begeistertes Publikum in die letzten Tage vor Weihnachten – und vielleicht werden ja auch noch die „Winterträume“ wahr.

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