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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Monumentale und feine Klänge

MAINZ (22. Februar 2015). Die Mainzer Meisterkonzerte zeichnen sich in ihrem 30. Jubiläumsjahr durch eine wahrhaft musikalische Terminierung aus: Nach langen Generalpausen geht es immer gleich „attacca“ weiter. Die letzte Soiree dieser Art fand im Dezember statt, die nächste lädt schon für März ein.

Am Abend des jüngsten Meisterkonzerts in der Rheingoldhalle verweilte die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Karl-Heinz Steffens jetzt bei einem stilistischen Spannungsbogen, der vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in unsere Zeit reichte: Gabriel Fauré, Magnus Lindberg und Igor Strawinsky waren die Namen, aus denen die Musiker die Dramaturgie des Abends sponnen.

Faurés „Pelléas et Mélisande“ ist sein bedeutendstes Werk für Orchester. Der Musik liegt das gleichnamige Schauspiel von Maurice Maeterlinck zugrunde und behandelt eine verbotene Liebe zwischen den Titelgestalten – Liebe, Eifersucht, Zorn, Mord und Totschlag. Vier größere Fragmente aus der Bühnenpartitur setzte der Komponist später zu einer Orchestersuite zusammen, die die Staatsphilharmoniker geradezu plastisch angingen.

Da ist das zarte Prélude, das die Mystik des Märchenwaldes beschreibt, in dem Mélisande umher-irrt – wunderbar dicht, weich und schwelgerisch gerät dies den Musikern. Fauré selbst vermied üppige dynamische oder agogische Amplituden und überlässt es den Dirigenten, eigene Akzente zu setzen. Steffens nutze diese Freiheit in jedem Takt, wobei besonders der Schluss zu einem ätherischen Schweben wurde.

Der Weg vom Franzosen Fauré zum Russen Strawinsky führte die Staatsphilharmonie über Skandinavien: Für das Klarinettenkonzert des 1958 in Finnland geborenen Komponisten Markus Lindberg begrüßte das Mainzer Publikum den fast gleichaltrigen Solisten Nikolaus Friedrich, der sich gerne und intensiv mit der zeitgenössischen Musik auseinandersetzt. Davon legte auch seine Interpretation des 2002 entstandenen Klarinettenkonzerts Lindbergs beredtes Zeugnis ab.

Das Stück beginnt mit einer solistischen Kadenz, die bald vom orchestralen Flimmern umleuchtet wird. Wie ein Irrlicht flieht die Klarinette durch das Tongebäude des Tutti und scheint die anderen Bläser zuweilen wie einen Kometenschweif hinter sich her zu ziehen. Friedrich meistert die rasanten Läufe und Intervallsprünge hochvirtuos – ein faszinierendes Hörerlebnis, dieser irisierende Dialog zwischen Solist und Orchester.

„L’oiseau de feu“, zu Deutsch „Der Feuervogel“ von Igor Strawinsky mutet wie eine Bündelung aller musikalischen Erfahrungen an, die der Komponist bis dato gemacht hatte. Er verstand Musik als Körperkunst und schrieb dieses Werk für das „Ballets russes“ von Sergei Pawlowitsch Djagilew. Für den Konzertsaal fasste der Komponist „L’oiseau de feu“ in drei Orchestersuiten, deren zweite in Mainz erklang. Wie bei Fauré wurde auch hier eine Erzählung vertont – und einmal mehr gelang der Staatsphilharmonie eine packende Schilderung.

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