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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Klassiker und Neuentdeckung

MAINZ (31. Oktober 2015). Alles anders? Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Karl-Heinz Steffens hatte sich für das zweite Mainzer Meisterkonzert der Saison in der Rheingoldhalle spiegelverkehrt aufgestellt, also Geigen rechts und Bässe links. Auch gab es an diesem Abend nicht einen, sondern zwei Solisten zu hören: die Harfenistin Marie-Pierre Langlamet und den Flötisten Julien Beaudiment. Was sich allerdings nicht geändert hatte, war das hohe Niveau, auf dem hier musiziert wurde.

Die Soiree stand unter dem Motto „Vive la France!“, was neben der Heimat der beiden Solokünstler vor allem der kunstvollen Arrangements des Programms geschuldet war: Es stellte das Doppelkonzert für Flöte und Harfe C-Dur (KV 299), das Wolfgang Amadeus Mozart in den Diensten eines französischen Adligen schrieb, Werken von Claude Debussy, Maurice Ravel und des 1955 in Nancy geborenen Komponisten Pascal Dusapin gegenüber.

Den Beginn des Meisterkonzerts gestaltete Langlamet mit Debussys „Danse sacrée et danse profane“ für Harfe und Streichorchester. Mit einer faszinierenden Klangintensität, die das Stück beherrschte, sich aber keinen Augenblick lang mit Gewalt in den Vordergrund drängte, baute die Künstlerin eine tonale Brücke zwischen dem sakralen und dem profanen Duktus: hier ein sphärisch hingehauchtes Pianissimo, dort ein schwebendes Tanzen – und alles vor dem Hintergrund eines brillant-cremigen Streicherklangs.

Beaudiment vollzog den jähen stilistischen Bruch mit Dusapins 1998 entstandenem Konzert für Flöte und Streichorchester „Galim“. Das mit „Ruhe, voll von Genuss“ überschriebene Werk wirkt nur im Ganzen. Einem abstrakten Gemälde gleich muss sich der Hörer auf die tonale Entwicklung einlassen – wer sich in einzelnen Momenten vertiefen will, droht unterzugehen. Während das Orchester mit flirrenden Clustern eine Klangfläche absteckt, bewegt sich die Flöte mit zunehmender Intensität. Beaudiments hochvirtuoses Spiel erinnerte dabei an einen Vogel: Das Zwitschern und Trillern wurde immer drängender und auch die flatternde Bewegung spiegelte sich faszinierend in atemberaubenden Kadenzen und Läufen.

Den beiden Solowerken folgten die orchestralen Partien: Debussys „La Mer“ und Ravels zweite Suite „Daphnis et Chloé“ rahmten dabei Mozarts Doppelkonzert ein, in dem Beaudiment und Langlamet mit intimen Dialogen überzeugten. Die Deutsche Staatsphilharmonie begeisterte in allen Werken, vor allem jedoch in Debussys sinfonischen Skizzen: „La Mer“ ist keine vordergründige Abbildung, sondern gleicht eher einem impressionistischen Gemälde, dessen Farben das Orchester funkenschlagend und mit ergreifender Spielfreude zum Leuchten brachte. Auch bei Ravel führte Dirigent Steffens seinen Klangapparat zu einem Spiel, das unter die Haut ging.

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