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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Musikalischer Lichterglanz

MAINZ (20. Dezember 2015). Die Mainzer Meisterkonzerte folgen stets einem Motto, das die gespielten Werke miteinander verbindet: Mit „Sonne für alle“ begann die laufende Saison im September, man hörte im Oktober mit „Vive la France“ Werke französischer Komponisten und begegnete im November mit „Erste Liebe“ dem Dirigenten der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz Karl-Heinz Steffens gleichzeitig auch als Solisten an der Klarinette.

Das Meisterkonzert kurz vor Weihnachten steht immer unter dem gleichen Stern, der akustisch hell von der Bühne strahlt: „Festlich“ lautet das Thema, dem sich das Staatsorchester Rheinische Philharmonie unter der Leitung von Daniel Raiskin gemeinsam mit dem Solisten des Abends, dem Pianisten Alexei Volodin, widmete. Auf dem Programm standen Werke von Ludwig van Beethoven, Franz Liszt und Zoltán Kodály: zwei für Klavier und Klangkörper sowie zwei rein orchestrale Stücke.

Mit dem Titel „Festlich“ hatte man nicht zu viel versprochen: Er war keine oberflächliche Beschreibung eines weihnachtlichen Glanzes, sondern destillierte den tief empfundenen Esprit dieses Meisterkonzertes quasi in einem Wort. Beethovens Ouvertüre aus „Die Geschöpfe des Prometheus“ op. 43 war prachtvoller Auftakt der Soiree: Gediegen dicht im Klangbild und mit weit gefasstem Duktus führte Raiskin seine Musiker, um dann im fein gesponnenen Mittelteil pointiert auf den dahinrasenden Streichern zum Höhepunkt zu fliegen.

Im Mittelpunkt stand natürlich Beethovens 5. Klavierkonzert Es-Dur op. 73: Im Allegro schuf das Orchester kammermusikalische Intermezzi, die in cremigen Bläserklang übergingen, um im rasanten Tutti zu münden. Doch dann: ein Innehalten, ein traumverlorenes Parlieren des Solisten, in dem sich das Orchester dann spiegeln konnte. Welch ein Miteinander! Mal energiegeladen, mal zartfühlend im Anschlag ließ Volodin immer wieder retardierend die Zeit stehen. Das Adagio des zweiten Satzes zeigte ätherische Schönheit, betörende Schlichtheit, war einfach ergreifend.

Auch in der „Ungarischen Fantasie für Klavier und Orchester“ von Liszt bewiesen Solist und Orchester eine musikalische Intimität, die einer klanglichen Umarmung glich: Mal entließ der Klangkörper seinen Solisten aus der Vereinigung, mal hieß es ihn liebevoll willkommen, um sein Spiel im Gesamtklang aufgehen zu lassen. Volodins Spiel war hier ebenfalls von hoher Virtuosität – zwischen koketter Leichtigkeit und echtem Pathos.

Mit der „Háry Janos Suite“, der Orchesterfassung eines Singspiels von Kodály, schloss das letzte Meisterkonzert dieses Jahres und gab dem festlichen Glanz des Abends zum Schluss eine durchaus dramatische Note, wobei die Orchestermusiker die verschiedenen Stimmungen vom lyrischen Element bis zum martialischen Klang geradezu plastisch hervorhoben.

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