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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Ein Universum aus Musik

MAINZ (12. März 2017). Statt des üblichen Aufbaus aus Ouvertüre, Solostück und Sinfonie erlebte das Publikum des jüngsten Mainzer Meisterkonzertes eine Dramaturgie aus Gesang und ausladendem sinfonischen Werk: Auf dem Programm standen die „Hölderlin-Fragmente“ für Sopran und Orchester von Aribert Reimann (*1936) und die fünfte Sinfonie Gustav Mahlers (1860-1911), dargeboten von der der Sopranistin Katharina Ruckgaber sowie der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter Leitung von Karl-Heinz Steffens.

Die Lyrik des melancholischen Romantikers Friedrich Hölderlin (1770-1843), der sich oft im Bruchstückhaften ausdrückte und dessen Werk auch andere zeitgenössische Komponisten wie Wolfgang Rihm oder Hanns Eisler inspiriert hat, scheint geradezu geschaffen für einen Tonsetzer wie Reimann, der an diesem Abend auch im Publikum saß. Die 1963 entstandenen „Hölderlin-Fragmenten“ zeigen eine Komponente der musikalischen Sprache eines Künstlers, der mit der menschlichen Stimme von Kindesbeinen an tief vertraut ist.

Mit der Solistin Katharina Ruckgaber erlebte das Auditorium in der Rheingoldhalle indes „Stimme pur“, denn die Textverständlichkeit der Hölderlin-Verse („Neue Welt“, „Aber es gibt ein finster Geschlecht“ und „Heimat – Indessen lass mich wandeln“) ging leider gegen Null, dazu Reimanns Musik – bizarr, abstrakt und in der Disharmonie einer Logik folgend, die sich dem Zuhörer nur schwer offenbart. Zweifelsohne zeugt es von Mut, ein solches Werk in einer Reihe wie den Mainzer Meisterkonzerten aufzuführen – ein Mut, der für den Veranstalter freilich seinen Preis zu haben scheint: Die ansonsten gut besuchte Rheingoldhalle war an diesem Abend kaum halbvoll.

Im zweiten Teil schlug die Staatsphilharmonie das Publikum dann mit Mahlers fünfter Sinfonie für fast 75 Minuten in ihren Bann. Anders als das Fragmentarische bei Hölderlin und Reimann steht das 1904 in Köln uraufgeführte Werk für einen Klangkosmos, der die ganze Welt mit all ihren Gefühlen und Reizen in Musik übersetzt. Diesem „Text“ folgte die Staatsphilharmonie sozusagen wortgetreu und bestach mit elegischen Streichern und strahlendem Blech (vor allem dem Horn-Solo im dritten Satz). Steffens vermochte brillant, zwischen dichtem Klang und atmender Weite zu balancieren und schwelgte in blutvoller Dynamik.

Mahler weitete die klassische Sinfonie hier ins Übergroße: Den Walzer des zentralen Scherzos nannte der Komponist „Chaos, das ewig eine neue Welt gebärt, die im nächsten Moment wieder zugrunde geht“. Das beseelte Spiel des Orchesters sorgte jedoch dafür, dass sich der Hörer in diesem Meer nicht verlor. Im unglaublich zart intonierten Adagietto mit seinen expressiven Streichern und Harfentönen, das Luchino Visconti 1971 als Filmmusik für seine Adaption von „Tod in Venedig“ diente, konnte man durch das intensive Spiel hingegen gänzlich versinken – frei nach dem zugrundeliegenden Gedicht von Friedrich Rückert: „Ich bin der Welt abhanden gekommen.“

Am Abend vor dem jüngsten Mainzer Meisterkonzert spielte die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz das Programm auch im Mannheimer „Rosengarten“. Der Auftritt war gleichzeitig Rahmen für die feierliche Preisvergabe des Deutschen Musikverleger-Verbandes (DMV), der das Orchester mit Sitz in Ludwigshafen mit dem Preis „Bestes Konzertprogramm der Saison 2016/2017“ auszeichnete. Die Jury des DMV lobte vor allem die stilistische Vielfalt des aktuellen Konzertspielplans, der die Ausdrucksvielfalt der Musik von Klassik, Romantik und Moderne bis zur Gegenwart berücksichtige.

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