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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Trio schwelgt im barocken Klang

MAINZ (10. August 2017). Das Betörende an der Viola da Gamba ist das Klangspektrum, das sie abdeckt: Sie kann in die Höhen der Violine aufsteigen, den samtigen Alt der Bratsche, den kernigen Tenor des Cellos und selbst die Tiefe des Basses ergründen. Nicht umsonst sagt man diesem Instrument nach, es habe die größte Ähnlichkeit mit der menschlichen Stimme.

Beim jüngsten Konzert des Mainzer Musiksommers in St. Antonius war es ein Duett, das „sang“, denn gleich zwei Gamben waren zu hören – meisterhaft gespielt von Maddalena del Gobbo und Christoph Prendl, am Cembalo begleitet von Ewald Donhoeffer.

Den Beginn machte Marin Marais (1656-1728), seinerzeit gefeierter Gambenvirtuose und Komponist am Hof von Versailles. Seine a-moll-Suite ist wunderbar vielschichtig und bot den Künstlern mannigfaltig Gelegenheit, ihre Virtuosität zu zeigen: im energischen Caprice, in der unglaublich melodiösen und inniglich gespielten Muzette, in der die Künstler auch ohne vordergründliche Phrasierungen eine intensive Spannung erzeugten; kunstfertig gelang auch die Sautillante, ornamentreich verziert das finale Rondeau. Auch Marais‘ G-Dur-Suite war ein Genuss: Das Prelude wurde von den Künstlern dicht und getragen von kluger Dynamik interpretiert; besonders gefiel die verträumte Muzette. Eigentlich ist französische Barockmusik eine eher akademische, intellektuelle Angelegenheit – an diesem Abend jedoch wurde sie äußerst vital und leichtfüßig gespielt.

Waren bei Marais einzelnen Sätze mit den Namen von Tänzen überschrieben, gab François Couperin (1668-1733) seinen Stücken auch programmatische Bezeichnungen: Vier davon spielte Ewald Donhoeffer auf dem Cembalo, darunter das pulsierende und klangverliebte „Les Baricades Mistérieuses“, dessen Modulationsreichtum das Publikum derart bannte, dass man danach eine Fliege hätte summen hören können, was im letzten Couperin-Stück „Le Moucheron“ (zu Deutsch eben: die Fliege) dann bildhaft nachgeholt und damit bewiesen wurde, welch wunderbaren Humor barocke Komponisten zuweilen hatten.

Nach der Pause stellten Del Gobbo, Prendl und Donhoeffer eine eigene Suite aus Stücken verschiedener französischer Barockmeister vor, die sämtlich im Dunstkreis von Versailles wirkten: Louis de Caix d’Hervelois (~1680-1759), Antoine und Jean-Baptiste Forqueray (1671-1745 und 1699-1782) sowie Jacques Duphly (1715-1789).

Diese Stücke sind auch auf dem bei der Deutschen Grammophon erschienenen Album „Henriette – The princess of the viol“ zu hören, mit dem das Trio an die 1752 im Alter von nur 30 Jahren gestorbene Tochter Ludwig XV. erinnern will: Während ihre Zwillingsschwester mit zwölf Jahren an den spanischen König Philipp verheiratet wurde, blieb Henriette in Versailles, wo sie unter der Trennung litt und sich ganz dem Gambenspiel widmete. Bei den ausgewählten Werken merkte man, wie sehr sich Maddalena del Gobbo mit der „Kollegin“ beschäftigt hat – und wie tröstlich derart intensiv empfundene Musik sein kann: Vor allem das vorletzte Stück, Antoine Forquerays „La Du Vaucel“ für Solo-Gambe und Cembalo, geriet der Interpretin warmherzig und kontemplativ.

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