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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Beschwingt und mit wuchtiger Dynamik

MAINZ – Ein Anliegen des Mainzer Musiksommers ist es, den Dreiklang aus Raum, Musik und hoher Kunst immer wieder hörbar zu machen. Und da dies mitunter bewusst an Orten geschehen soll, die man nicht zuvörderst mit Klassik in Verbindung bringen mag, lässt einen der jüngste Spielort schmunzeln, denn wo ist sie in Mainz mehr heimisch als in der Villa Musica?

Vor ausverkauftem Haus gab hier das Morgenstern-Trio sein Gastspiel: Catherine Klipfel (Klavier), Nina Reddig (Violine) und Emanuel Wehse (Violoncello) – letzterer war selbst Stipendiat von Villa Musica – fanden vor gut drei Jahren an der renommierten Folkwang-Hochschule für Musik in Essen zusammen und haben sich in dieser Zeit zu einem Trio formiert, das sich durch akkurate Homogenität auszeichnet und gleichzeitig einen warmen Ton von außerordentlicher Dichte pflegt.

Der erste Teil des Konzerts widmete sich Joseph Haydn und Felix Mendelssohn-Bartholdy – ersterer gilt als Mitbegründer der Gattung Klaviertrio. Von ihm spielten die Künstler das C-Dur-Trio Hob. XV:27, wobei sich das anfängliche Schwelgen im Klang mit pointierter Rhythmik des Piano in forschen aufsteigenden Kadenzen vor den fein dahinfließenden Läufen der Streicher über ein liedhaftes Andante zum verspielten und überschäumenden Presto wandelte.

Hochdramatisch beginnt hingegen Mendelssohns Klaviertrio d-moll op. 49, wobei besonders Emanuel Wehse mit durchdringendem Celloton gefiel, dem das Violinspiel von Nina Reddig verlässlich zu sekundieren verstand. Spannend fiel der jähe Stimmungswechsel im Andante des zweiten Satzes aus, in dem Catherine Klipfel mit butterweichem Anschlag begann und sogleich von den Streichern flatterhaft umwoben wurde. Das Scherzo gemahnte in seiner rhythmischen Vitalität an den zuvor gespielten Haydn und mündete in ein konziliantes Finale.

Seine rühmliche Homogenität büßte das Morgenstern-Trio einzig zu Beginn des Klaviertrios in C-Dur op. 87 von Johannes Brahms ein, denn hier ließen sich Klipfel und in der Folge auch die Streicher zuweilen zu einer den Raum überfordernden wuchtigen Opulenz der Dynamik hinreißen. Überzeugen konnten die Musiker aber auch in diesem Stück: Wie ein Wirbelwind wogten die Streicher im Presto umeinander und luftig beflügelt kam das Finale daher.

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