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Der „französische Telemann“

MAINZ (19. Mai 2019). Von wegen „totes Holz“! Die Musikerinnen und Musiker des Neumeyer Consorts entlocken ihren Barockinstrumenten da doch eher äußerst lebendige Töne. Aber der Name des französischen Komponisten, um den es geht, heißt übertragen tatsächlich so: Boismortier – bois für Holz und mort für tot.

Joseph Bodin de Boismortier lebte von 1689 bis 1755 und wird auch der „Telemann Frankreichs“ genannt. Also verwundert es kaum, dass sich der Barockcellist Prof. Felix Koch mit ihm beschäftigt hat. Und mit ihm Charlotte Schmidt-Berger (Block- und Traversflöte), Lukas Rizzi (Blockflöte), Ina Stock (Oboe), Barbara Mauch-Heinke (Violine), Barbara Meditz (Fagott), Daniela Wartenberg (Violoncello) und Markus Stein (Cembalo).

In dieser Besetzung nimmt das Neumeyer Consort im SWR-Studio in Kaiserslautern derzeit eine CD auf, die im kommenden Frühjahr beim Label Christophorus erscheint. Erstmals in dieser Kombination erklingen dann alternierend Boismortiers Trios und Quartette sowie ein Concerto op. 34 und 37. In einer Matinee vor dem ersten Aufnahmetag hatten die Künstler das Programm im Chorsaal des Collegium musicum vorgestellt, wobei das Publikum einen eher unbekannten Komponisten kennenlernen durfte.

Tatsächlich ähnelt Boismortiers Musik der des Kollegen „Monsieur Tellement“, wie Georg Philipp Telemann in Frankreich genannt wurde: Sie ist genauso farbig, fantasie- wie kunstvoll und abwechslungsreich. Womit man gleich bei der Besonderheit dieser CD ist: Der Komponist stellt es den Interpreten frei, in welcher Besetzung sie die Trios und Quartette spielen. Doch weil man sich an gleichen Instrumenten schnell satt hört, entschieden die Musiker um Felix Koch, dass jedes Werk mit verschiedenen gespielt wird. Der derart potenzierte Klang ist in seiner Vielschichtigkeit faszinierend.

Die Künstler des Neumeyer Consort sind Spezialisten ihres Fachs. Und sie eint die unbedingte Liebe zur Barockmusik, die sie so wunderbar vital und mitreißend spielen, als hätte sie nicht schon weit über 300 Jahre auf dem Buckel. Genauso lebendig leuchtet Koch den Hintergrund der gespielten Werke aus: So war Joseph Bodin de Boismortier ziemlich geschäftstüchtig. „Heute muss ein studierter Musiker um seine Honorare kämpfen, doch seinerzeit verdiente er allein für seine Kompositionen umgerechnet 850.000 Euro.“

Der Sohn eines Konditors schrieb auch musikpädagogische Werke. Außerdem weht in seinen Trios und Concertos bereits ein europäischer Geist, denn sie vermählen den tänzerischen französischen Stil mit dem konzertanten italienischen. Die Konkurrenz zwischen den jeweiligen Verfechtern raubte Boismortier allerdings die Kräfte, so dass er sich 1753 vom Komponieren zurückzog.

Wie dieser Komponist verfolgt auch das Neumeyer Consort einen Bildungsauftrag und engagiert für seine Projekte immer wieder junge Nachwuchstalente. Diesmal war es der 15-jährige Lukas Rizzi, der die Blockflöte bereits so kunstvoll bläst wie ein „alter Hase“. Aufgefallen war er Koch und seinen Kollegen im Rahmen der Deutsch-Chinesischen Barockakademie der Mainzer Hochschule für Musik. „Wir wollen diese Künstler auf ihrem Weg ins professionelle Musikleben begleiten“, erklärte Koch. In den Quartetten in D- und G-Dur aus op. 34 ließ Rizzi das Publikum über die Strecke staunen, die er darauf offensichtlich bereits zurückgelegt hat.

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