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Jan-Geert Wolff

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Jazz-Urgestein Paul Kuhn swingt mit der SWR Big Band

MAINZ – Im vergangenen Jahr ertönten mit der Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken zum Neujahrskonzert des Südwestrundfunks mit Kanonendonner und Glockengeläut die musikalischen Rauchschwaden von Tschaikowksys „Ouvertüre solenelle 1812“ – 2009 hieß es „Let’s swing“ mit der SWR Big Band und Gästen.

An erster Stelle stand hier natürlich Paul Kuhn, der auch mit bald 81 Jahren offensichtlich gar nicht daran denkt, die Bühne zu verlassen – zum Glück! Mit fester Stimme sang er Schlager wie „I get a kick out of you“ und feuerte die Musiker der Band in den Glenn Miller-Nummern „American Patrol“ und „In the Mood“ oder einem rasanten Benny Goodmann-Hit „Sing, sing, sing“ von Louis Prima zu Höchstleistungen an.

Mit den „Boys vom SWR“ war er jahrelang auf Tournee – die hierbei gewachsene Freundschaft zwischen dem Bandleader und den Musikern war an diesem Abend für das Publikum seh-, hör- und spürbar. Dafür sorgten auch die Solisten wie Felice Civitareale (Trompete), Jörg Gebhardt (Schlagzeug) und allen voran Posaunist Marc Godfroid mit seiner swingenden und atemberaubenden Version des „Hummelflugs“ von Rimsky-Korsakow.

Die Sängerin und frühere Cats-Darstellerin Angelika Milster hat laut Moderator Nick Benjamin einen „kometenhaften Aufstieg“ erlebt und sei jetzt ein „Fixstern am Showhimmel“. Stimmgewaltig und unterstützt von der mehrfach für den Grammy nominierten SWR Big Band stellte die energiegeladene Künstlerin die Fundamente der erweiterten Rheingoldhalle auf die Probe: Kam „Night & Day“ noch eher verhalten daher, legte sich Milster mit der deutschen Version von „I am what I am“ der legendären Gloria Gaynor und dem Percy Sledge-Hit „When a man loves a woman“ so richtig ins Zeug.

Doch auch die Freunde der sanft säuselnden Männerstimme kamen an diesem Abend auf ihre Kosten: Mit Schlagerbarde Patrick Lindner hatte SWR 4 für das Neujahrskonzert einen Stimmungsgaranten engagiert, der als Strahlemann mit Dackelblick und Einstecktuch einer Rosamunde Pilcher-Verfilmung entsprungen schien. Bei „Volare“ durfte der ganze Saal nach Leibeskräften mitsingen und während „Mona Lisa“ von Jay Livingston und Ray Evans spiegelte sich das gleißende Bühnenlicht stimmungsvoll im goldenen Blech der Saxophone, den Klappen der Klarinetten und in den Saiten von Schlagbass und Jazzgitarre.

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