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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Von der Musik emporgehoben

WIESBADEN (10. Januar 2016). Nein, Musik Richard Wagners stand nicht auf dem Programm des diesjährigen Benefizkonzerts der Philharmonie Merck im Wiesbadener Kurhaus. Und doch: Angesichts des zweiten Klavierkonzerts c-moll op. 18 von Sergej Rachmaninoff konnten einem durchaus die ersten Verse aus dem „Rheingold“ in den Sinn kommen, in denen Woglinde die Alliteration pflegt: „Woge, du Welle! Walle zur Wiege!“

Denn so wie der sinfonische Klangkörper unter der Leitung von Wolfgang Heinzel und vor allem im Zusammenspiel mit dem Pianisten Bernd Glemser diese Musik versteht, fühlte man sich tatsächlich emporgehoben und davongetragen.

Samtweich ist der Anschlag des Pianisten, der das Moderato des ersten Satzes mit raumgreifenden Akkorden eröffnet. Als das Orchester einsetzt, zieht es den Hörer magisch in die Musik hinein. Allein die Komposition ist betörend, doch Heinzel und Glemser türmen die Klänge mit kunstvoller Dynamik zu atemberaubenden Wogen auf. Vor allem das Spiel des Pianisten nimmt gefangen: Immer bewegt er sich in einem anschmiegsamen Piano, ein Crescendieren ist weniger mess- als fühlbar – die Musik findet hier unterhalb der Oberfläche statt.

Traumhaft schön spielt Glemser das ätherisch entrückte Adagio des zweiten Satzes, die Modulationen klingen filigran wie Eiskristalle, das Parlieren mit der Soloklarinette schenkt beglückende Momente. Die Musik verströmt eine so wunderbare Ruhe, dass man sich wünscht, dieser Augenblick möge ewig wären. Daher empfindet man den dritten Satz fast schon als Störung, ist dann aber doch wieder berauscht von den Klangkaskaden im Allegro scherzando.

Im zweiten Teil des Benefizkonzerts, das für die Aktion „Echo hilft“ der Tageszeitung Darmstädter Echo 46.000 Euro zugunsten des Vereins „Menschenskinder“ einbrachte, erklang dann mit der fünften Sinfonie e-moll von Peter Tschaikowsky ein weiteres opulentes Werk, bei dem das Orchester mit akzentuiertem Spiel und Transparenz beeindruckte. Vor allem die lupenrein intonierenden Hörner sowie die akzentuiert spielenden Streicher verliehen dem vielschichtigen Werk Kontur.

Ob im beschwingten Allegro des dritten Satzes oder im mitreißend-prachtvollen Finale: Dirigent Heinzel und die Musiker der Philharmonie Merck bewiesen mit ihrer Interpretation der Musik Rachmaninoffs und Tschaikowskys tief verstandenes Einfühlungsvermögen in die russische Seele.

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