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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Er war die Lerche. Und die Nachtigall.

NEUWIED (27. Juni 2014). Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz der Programmplanung von RheinVokal zu sein, dass sich Gastspiele kaum wiederholen. So kann die Verpflichtung immer neuer Künstler die Größe des eher kleinen Segments der reinen Vokalmusik trefflich dokumentieren. Einzig das SWR Vokalensemble ist als „Choir in Residence“ immer dabei.

Im Falle von Valer Sabadus, Countertenor im Sopranfach, machte das Festival im zehnten Jahr seines Bestehens allerdings eine löbliche Ausnahme: Erst 2012 sang er am Mittelrhein gemeinsam mit Terry Wey und dem Neumeyer Consort unter Michael Hofstetter ein traumhaftes „Stabat mater“ von Pergolesi; jetzt eröffnete der begnadete Sänger das Festival in der Abtei Rommersdorf nahe Neuwied.

Zuvor jedoch sprachen die Instrumente: Concerto Köln spielte das F-Dur-Concerto Nr. 3 von Alessandro Scarlatti. Gefällig, wie man das so kennt. Ja doch: Man spielte richtig, sauber und zusammen. Aber eben leider nicht mehr: Statt spritzigen Barocks hörte man eine über weite Strecken blutleere Interpretation, von der nichts blieb, war der letzte Ton verklungen – außer der Verblüffung, dass man nicht mehr aus der Musik herausholen konnte.

Gleiches galt für die Bearbeitung von Klaviersonaten Domenico Scarlattis durch Charles Avison, der im 18. Jahrhundert Sätze verschiedener dieser Werke zu eigenen Konzerten arrangierte; oder für Franceso Geminianis „Follia“ nach Corelli: Von Concerto Köln wurden größtenteils Noten gespielt – glutvolles Musizieren aber klingt anders.

Wie, das machte der vokale Gast vor: Valer Sabadus, vor zwei Jahren noch absoluter Newcomer in der Szene der Countertenöre, singt „wie ein Zeisig“. Und das darf man ruhig wörtlich nehmen: In Händels Accompagnato „First and chief, on golden wing“ und der Arie „Sweet bird“ aus der englischen Ode „L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato“ (HWV 55) sieht man förmlich die besungenen Vögel Lerche und Nachtigall zwitschernd umherflattern.

Wie er hier – von Cordula Breuer an Travers- und Blockflöte begleitet – musiziert, verwandelt Sabadus das Konzertante mühelos in Szenisches. Sein Sopran hat etwas so Leichtes, Schwebendes, das gänzlich ohne Akt kraftvoll klingt: Der Lagenausgleich ist perfekt, die Stimme ohne jeden Affekt, natürlich und rein. Sabadus sang auch Arien aus Händels Opern „Deidamia“ und „Faramondo“ und „Imeneo“ sowie der Cantata „Delirio amoroso“: Letztere gab dem Vokalkonzert seinen Titel – und das zu Recht.

Das Konzert wurde – mit wetterbedingten Unterbrechungen – von SWR2 live im Radio übertragen. Einen Mitschnitt sowie ein Gespräch mit Valer Sabadus kann man unter http://www.swr.de/swr2/musik nachhören.

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