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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Bitte lächeln!

ELTVILLE (7. August 2015). Nein, das Konzert mit der Pianistin Angelika Nebel in der Kelterhalle von Schloss Reinhartshausen konnte schlicht und einfach kein allzu großer Genuss werden. Was weniger am Spiel der Künstlerin an sich lag, als vielmehr den klimatischen Umständen geschuldet war: Drückende Grade auf dem Thermometer machten der Vortragenden ebenso zu schaffen wie dem Auditorium und sorgten dafür, dass die Transkriptionen von Werken Johann Sebastian Bachs leider alles andere als „wohltemperiert“ klangen.

Man machte es sich also sicherlich zu einfach, die Klavierprofessorin in Bausch und Bogen zu kritisieren. Ja: Ihr Spiel litt vor allem im zweiten Teil des Konzerts. Doch mag dies an den erwähnten Umständen gelegen haben – geschenkt. Es war etwas anderes, was einen den Abend über störte – etwas, was dem Auftritt etwas Unsouveränes, Steifes gab.

Und zwar, dass Angelika Nebel nahezu bar jeder mimischen Gefühlsäußerung musizierte. Für einen Vortrag am Klavier braucht es natürlich keine Gesichtsakrobatik, die schnell ins übertrieben Clowneske abgleiten kann. Doch selbst, wenn es einem schwerfällt, buchstäblich „gute Miene zum bösen Spiel“ (das Adjektiv ist nur der Redewendung geschuldet) zu machen, kann kein Künstler verlangen, dass der Funke überspringt, wenn er die Flamme durch eigenes sauertöpfisches Dreinblicken geradezu auspustet! Mit dieser musikalischen Empathie sollte man nicht das Konzertpodium erklimmen, sondern sich eher für die Rolle der Klavierlehrerin in einem „Tatort“ bewerben.

Wer es schaffte, dies durch Ausblenden gleichsam zu übertönen, hörte also Transkriptionen: „Bach Illuminationes“ hieß das Programm und ist auch der Titel des bereits dritten Tonträgers Nebels mit Bearbeitungen instrumentaler Werke des Thomaskantors für den Konzertflügel – eine spannende Aufgabe, zumal es diesen zu Zeiten Bachs überhaupt noch nicht gab.

Da ist die Arie „Bist Du bei mir“ aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach in einer Transkription von Elinor Remick Warren (1900-1991), da ist Dmitri Kabalewskis (1904-1987) bearbeitetes Präludium samt Fuge in g-moll (BWV 558) und Herbert Murills (1909-1952) Choralversion von „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ aus der Kantate 75.

Mal bewegt sich die Musik nah am Original, mal entfernt sie sich und spielt mit ihm. Nebels Interpretation schwankt anfangs ansprechend zwischen der Ernsthaftigkeit eines Konzert- und der Intimität eines Barpianisten. Transparent gelingt Frank Zabels (*1968) Lesart der g-moll-Sonate für Violine solo und schwebend das g-moll-Siciliano aus der Es-Dur-Sonate BWV 1031, adaptiert von Isidore Philipp (1863-1958).

Angelika Nebels Verehrung für Bach ist hörbar, auch und vor allem in den eigenen Bearbeitungen von BWV 650 und 564. Die Deutung der Transkription ist hingegen in vielen Partien zu vorhersehbar: Da ist zum Beispiel die Basslinie im Ricercar à 6 aus dem „Musikalischen Opfer“ in einer Bearbeitung von Wagner Stefani d’Aragona Malheiro Prado (*1982), die die Pianistin mit überbordender Wucht anschlägt. So bleiben Überraschungen weitestgehend aus. Und das ist alles in allem eines: schade.

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