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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Berückendes Klangspektrum

SAULHEIM (2. Juni 2012). Über das Wetter kann man reden, über Fußball, Politik und Wirtschaft – kurz: über Gott und die Welt. Letzteres nahm das erste Stimmfestival der Singakademie Saulheim wörtlich und tat dies in einer Sprache, die man rund um den Globus versteht: Musik – genauer gesagt: Gesang. „In terra pax“ war Titel und Thema eines dreifach klingenden Wandelkonzerts, das das Motto des diesjährigen Kultursommers, in dessen Rahmen der Abend stattfand, im Untertitel führte: „Gott und die Welt“.

Hierzu hatte die Singakademie Saulheim drei namhafte Ensembles eingeladen, die in der evangelischen Kirche Niedersaulheim und der Sängerhalle die Wandlung vom Sakralen zum Säkularen erfahrbar machte: geistliche Vokalmusik mit dem Frankfurter Kammerchor unter der Leitung von Wolfgang Schäfer, Vocale Neuburg aus Österreich unter Oskar Egle und dem Schwedischen Kammerchor unter Simon Phipps im Gotteshaus und nach dem Ortswechsel weltliche Gesänge dieser Ensembles auf dem örtlichen Konzertpodium.

Den Beginn machten die Gäste aus Hessen mit „Sicut cervus desiderat“, einer Vertonung des 42. Psalms von Giovanni Pierluigi da Palestrina (~1515-1594): Langsam und getragen lässt Schäfer seinen Klangkörper kommen und der ruhig dahinfließende Cantus gelingt äußerst homogen sowie bemerkenswert sauber intoniert. Das setzt Maßstäbe!

Dem erzählenden Duktus folgen auch die Österreicher, die aufgrund einer üppigeren Besetzung Palestrinas „Tu es petrus“ mit überzeugender Klangfülle anstimmen. Eine Überraschung sind die Schweden, denn sie wagen den Zeitsprung in die Moderne und präsentieren mit „Pingst“ von Oskar Lindberg (1887-1955) ein modulationsreiches Opus ihres Landsmannes, das mit den Harmonien spielt und Dirigent Phipps zu dynamischen Finesse inspiriert.

In den folgenden drei Blöcken erlebt das Publikum im voll besetzten Gotteshaus Chorgesang auf derart hohem Niveau, das es schier unmöglich macht einen Höhepunkt zu benennen: Psalm 13 von Bo Hansson (*1943), romantische Chormusik von Albert Becker (1834-1899), „The conversion of Saul“ von Randall Stroope (*1953) oder das berückende „Du bist das Brot des Lebens“ von Wolfram Buchenberg (*1962)?

Ein schlichter Choral steht über allem: Der schwedische Kammerchor singt „Es ist ein Ros entsprungen“ von Jan Sandström (*1954) nach dem bekannten Satz von Michael Praetorius (1571-1621), das den Cantus firmus über gesummten Clustern erklingen lässt. Sämtliche Werke des Abends begeisterten durch ihre Perfektion – dieses jedoch war von überirdischer Klangschönheit und berührte den Hörer durch seine bescheidene Anmut zutiefst.

Den zweiten Teil des Konzertabends eröffnete der Kammerchor des Nieder-Olmer Gymnasiums in der Sängerhalle unter der Leitung von Roland Bolender als regionaler Gruß an die Gäste aus Frankfurt, Koblach und Göteborg. Die Darbietung des kantablen Nachwuchses wurde von den Profis und ihrem Publikum mit begeistertem Applaus goutiert, bevor die Gastchöre mit gleicher Akkuratesse und Enthusiasmus ihr weltliches Programm interpretierten.

Vorangegangen war dem Wandelkonzert tags zuvor eine Soiree mit Weltmusik aus Irland, dem Mittelmeerraum und Afrika in der Sängerhalle, um die herum am Folgetag ein klingendes Familienfest stattfand, mit dem sich die Singakademie Saulheim ihren Bürgern und Gästen aus Nah und Fern vorstellte.

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