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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Das Publikum hebt ab

MAINZ (16. Juli 2017). Ein wenig scheint es, als wolle die Jesusfigur, die überlebensgroß in der Christuskirche und an diesem Abend mal nicht über dem Bachchor, sondern dem groß besetzten UniOrchester Mainz beschwichtigend ihre Arme ausbreitet, die Musiker ein wenig bremsen auf ihrem „Flug zu den Sternen“.

So lautet der Untertitel des diesjährigen Semesterkonzerts; schließlich steht das ja auch noch unter dem Motto „Star Wars“! Aber was will man als Dirigent machen, wenn einem das Orchester anträgt, doch mal die gleichnamige Suite von John Williams aus „Krieg der Sterne“ zu spielen? Das als Konzertsaal dienende Gotteshaus ist jedenfalls bis auf den letzten Platz besetzt und das Publikum wird nach anderthalb Stunden ebenfalls applaudierend „abheben“.

Felix Koch kam dem Wunsch seiner Musiker gerne nach und stellte ein überraschungsreiches Programm zusammen: Neben der bekannten Filmmusik erklang der strahlende erste Satz der „Jupiter-Sinfonie“ von Wolfgang Amadeus Mozart, die faszinierende „Helios-Ouvertüre von Carl Nielsen (1865-1931) und das Concertino für Flöte und Orchester von Cécile Chaminade (1857-1944). Letzteres begeisterte den Dirigenten schon als jungen Musiker und an diesem Abend vergleicht er das zauberhaft-luftige Spiel von Julia Wagner-Szabo mit einem Schmetterling, der ja irgendwie auch auf seinem Weg zu den Sternen sei – man muss sich nur zu helfen wissen.

Erstmals tritt das UniOrchester ohne Chor auf: Koch stemmt in diesem Semester nach Orffs mit Jazz angereicherter „Carmina burana“ also das zweite große Konzertprojekt. Und auch, wenn dies wohl eher die Ausnahme bleiben wird, ist es gut und beachtlich, diesen Klangkörper mal „solo“ zu hören. In einigen Registern unterstützt von versierten Instrumentallehrern, die die Genese des Programms auch während der Proben unterstützten, entstand in wenigen Monaten erneut ein satter Sound, der doch transparent die Feinheiten der einzelnen Werke offenlegt – Masse geht hier mit Klasse einmal Hand in Hand.

Der packenden „Helios-Ouvertüre“ des dänischen Komponisten Nielsen voraus gehen kurzweilige Anmerkungen von Prof. Dr. Concettina Sfienti, Dekanin am Fachbereich Physik, Mathematik und Informatik der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität: Es geht um Moleküle, Wasserstoffatome, Helium, dichte Materie und hohe Temperaturen als Zutaten des Werdens und Vergehens von Himmelskörpern. Und als hätte Nielsen bei Sfienti studiert, lassen sich die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse in der Ouvertüre, die den Auf- und Niedergang der Sonne darstellt, ablesen. Bevor das Orchester das Stück in Gänze musiziert, intonieren die Musiker passende Klangbeispiele.

Und auch zur lautstark bejubelten Filmmusik von Star Wars hat Sfienti etwas zu sagen: In Zeiten, in denen der Klimawandel geleugnet würde, alternative Tatsachen Fakten zu ersetzen versuchten und Verschwörungstheoretiker eine Renaissance erlebten, dürfe man auch Science fiction wissenschaftlich betrachten. Felix Koch jedenfalls führt den Dirigierstab so behende wie einst der junge Luke Skywalker das Lichtschwert im Kampf gegen Darth Vader.

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