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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Andreas Scholl singt „Crystal Tears“

John Dowland gehört zum festen Repertoire des deutschen Countertenors Andreas Scholl. Mit seinem aktuellen Album „Crystal Tears“ widmet er sich gemeinsam mit Julian Behr (Laute) und dem Baseler Concerto die Viole den „Consort Songs“.

Diese Gattung der Renaissance-Musik hatte dereinst ihren Platz am englischen Hofe, wo die adligen Amateure gemeinsam musizierten und sich dabei nicht selten in gepflegtem Schwermut ergingen – bereits der Titel der CD weist auf diese Stimmungsschwankung hin.

Dem Lautenist Anthony Rooley wird das Zitat zugeschrieben, es sei damals „schick“ gewesen, „ein bisschen depressiv“ zu sein. Dieses private Stilmittel greift Andreas Scholl in „Crystal Tears“ auf und setzt es in verschiedene Gemütslagen um, wobei er nie übertreibt, stets wohl dosiert und mit eindringlicher, doch elegant schlanker Stimmführung intoniert.

Dieser Altus scheint einfach wie gemacht für Dowlands Lieder – oder auch umgekehrt: Mit federleichtem Timbre geht der Sänger – dezent begleitet vom wohlig satten Klang des Gamben-Consorts (Brian Franklin, Rebeka Rusó, Brigitte Gasser und Arno Jochem) oder der Laute – die Dowland-Lieder an, singt eben von jenen kristallklaren Tränen, vom Abschied nehmen, von Erschöpfung, Schmerz, Verzweiflung und gebrochenem Herzen.

Damit der Zuhörer nicht auch in diese schwermütige Stimmung verfällt, ist das Dowland-Programm mit anrührend lyrischen Instrumentalstücken von John Ward oder Richard Mico durchbrochen. Das Concerto die Viole beeindruckt hier mit vollem und transparentem Klang und Julian Behr glänzt nicht nur im bekannten „Semper Dowland, semper dolens“ mit zartem und dezentem Feingefühl. Ergänzt wird die vokale Liedfolge darüber hinaus durch Werke von Robert Johnson, Patrick Mando oder Wiliam Byrd.

Hier ergeht sich Scholl in einer breiten Stilpalette voller differenter Klangfärbung, Glockengeläut und Pfeifen nicht ausgenommen. Die Harmonie mit den Instrumentalisten ist hierbei geradezu vollkommen: Zu keinem Zeitpunkt dängen sie sich zu Lasten des Sängers in den Vordergrund, Scholl selbst sucht sie aber auch nicht zu überdecken – das Ergebnis ist eine ausgewogene und wie selbstverständlich klingende Homogenität.

Die CD „Crystal Tears“ ist bei harmonia mundi erschienen (HMC 901993).

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