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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Prickelnder Barock

Die „Brandenburgischen Konzerte“, jene 1721 von Johann Sebastian Bach dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg gewidmete Sammlung von sechs Konzerten, gehören zum Standard-Repertoire eines jeden Barockorchesters – und einer jeden CD-Sammlung.

Hierfür hält der Klassikmarkt eine Vielzahl von Einspielungen (nämlich weit über 150 verschiedene!) bereit: Nationale wie internationale Klangkörper und Dirigenten haben sich mit dieser Musik beschäftigt, die den Komponisten als weltgewandten Kenner des aristokratischen Musikgeschmacks ausweist und zeigt, wie versiert und souverän Bach das Metier des eleganten, weltlichen Instrumentalkonzerts beherrschte.

Eine weitere Einspielung ist jetzt bei Christophorus Records erschienen: Das renommierte Neumeyer Consort hat im Roten Saal der Mainzer Hochschule für Musik unter der Leitung von Felix Koch die Brandenburgischen Konzerte eingespielt und damit eine in sich schlüssige und vitale Aufnahme vorgelegt. Dem eigenen Anspruch, nämlich die Lebendigkeit und Vielseitigkeit barocker Musik in unterschiedlichen Besetzungsmöglichkeiten hör- und damit erlebbar zu machen, wird das Orchester in jedem Augenblick gerecht.

Die Aufnahme des auf historischen Instrumenten musizierenden Neumeyer Consorts ist reich an erlesenen Momenten: Da ist der elegante Beginn des ersten Konzerts mit seinen schwungvollen Dialogen (und wunderbar sonoren Hörnern!), da ist der spannende Gegensatz des introvertierten Allegro zu den sportlichen Ecksätzen im zweiten Konzert, da ist die von Cembalist Markus Stein kunstvoll gestaltete Kadenz zwischen dem ersten und dritten Satz in Konzert Nummer 3 (oder sein exquisit-silbriges Solo im fünften Konzert). Und viele mehr.

Das Neumeyer Consort musiziert frisch und kenntnisreich. Da hier herausragende Künstler ihres Fachs zusammenfinden, steht Felix Koch ein wendiger und spannungsgeladener Klangapparat zur Verfügung. Die variierende Besetzung ist erlesen, das Spiel stets spannungsgeladen und in puncto Intonation von großer Güte, Transparenz ist oberstes Gebot.

Letztendlich löst das Neumeyer Consort mit dieser Aufnahme der Brandenburgischen Konzerte das Versprechen ein, was der CD-Verlag Christophorus Records gibt: Hier will man „Alte Musik entdecken“. Gerade weil bereits so viele verschiedene (und teilweise durchaus als Referenz-Aufnahmen anzusehende) Einspielungen dieser Konzerte existieren, ist die Herausforderung immens, weitere neue Einblicke in Bachs Musik zu schenken.

Felix Koch schafft es, weil er (wie bereits in früheren CD-Produktionen und vor allem in Live-Konzerten sattsam bewiesen) das Werk stets vor die Interpretation stellt. Für ihn und die Musiker ist die Wiedergabe kein Selbstzweck, keine effektvolle Show, sondern steht immer im Dienst der jeweiligen Musik.

Johann Sebastian Bach: Brandenburgische Konzerte; Neumeyer Consort, Leitung: Felix Koch; als Doppel-CD erschienen bei Christophorus Records (CHR 77400)

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