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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Boreout – ein neues Phänomen in der Arbeitswelt

Hektik und Stress in der Arbeit, das Gefühl des Ausgebranntseins, worunter auch das Privatleben leidet – jeder kennt das Gefühl des Burnout aus eigener Erfahrung oder der eines Kollegen oder Bekannten. Doch so unglaublich es klingt – es gibt auch das Gegenteil: den Boreout, eine Erkrankung durch Desinteresse und Langeweile – resultierend aus Unterforderung.

Langweilt Sie Ihre Arbeit? Fühlen Sie sich fehl am Platz? Sind Sie völlig unterfordert? Möchten Sie lieber etwas total anderes machen? Diese und ähnliche Fragen stellen Philippe Rothlin und Peter R. Werder dem Leser ihres Buches „Diagnose Boreout – Warum Unterforderung im Job krank macht“.

Eigentlich unverständlich: In einer Zeit, in der die (gut bezahlten) Jobs rarer werden und die meisten froh sein können, in Lohn und Brot zu stehen, ist ein Phänomen wie der Boreout eigentlich anachronistisch – ältere Generationen bleibt hier nur, den Kopf zu schütteln und auch vom Standpunkt des jüngeren Arbeitnehmers ist der Boreout eine seltsame Erscheinung.

Doch es gibt ihn: Das Phänomen ist nach Ansicht der Autoren weit verbreitet, wurde aber bisher ignoriert (die vorliegende Publikation ist die erste, die sich damit beschäftigt). Rothlin und Weber machen dies daran fest, dass man natürlich nicht gerne darüber redet, wenn man nichts zu tun hat, dass einen die eigene Arbeit nicht interessiert, man den halben Tag Däumchen dreht und im Internet surft – in Zeiten massiver Einsparungen wird ein solcher Mitarbeiter eher vor die Tür gesetzt, als dass man seine Potenziale nutzt und gemeinsam an einer Verbesserung arbeitet.

Wichtig ist dabei, dass Menschen, die am Boreout leiden, keine faulen Mitarbeiter sind, sondern „faul gemacht wurden“: Eigeninitiative und Engagement wird von Vorgesetzten zu oft abgeblockt, so dass der Angestellte oft keinen anderen Ausweg als den „Dienst nach Vorschrift“ sieht und sich in sein Schneckenhaus zurückzieht. Die Kreativität dieses Mitarbeiters wird nicht genutzt und er selbst ist zu frustriert, um hier initiativ tätig zu werden.

Dabei zeigen die Autoren ein weiteres Phänomen auf: Der Mitarbeiter hält diesen für ihn eigentlich unangenehmen Status quo mit verschiedenen Tricks und Kniffen aufrecht, da ihm ansonsten andere, in seinen Augen aber wiederum falsche Arbeiten zugeteilt würden; da ihn sein Job langweilt (verantwortlich werden hierfür eine falsche Berufswahl, mangelhafte Personalführung oder ungünstige Entwicklungen in der jeweiligen Branche gemacht), will er in diesem Umfeld auch keine andere Betätigung angehen.

Es gibt verschiedene Stadien des Boreout, die im vorliegenden Buch näher betrachtet und charakterisiert werden, so dass der interessierte Leser selber entscheiden kann, ob er sich oder einen Mitarbeiter einer dieser Kategorien zuordnen kann. Das Ganze ist zwar wissenschaftlich fundiert geschrieben, lässt sich allerdings auch unterhaltsam und äußerst informativ lesen.

Die Autoren belassen es jedoch nicht beim bloßen Betrachten des Phänomens Boreout, sondern richten sich sowohl an den Angestellten als auch an Führungskräfte und Personaler, um damit umzugehen. Denn die Auswirkungen des Borout sind beträchtlich: Unzufriedenheit und ständige Abgeschlafftheit bis hin zum Verlust der Lebensfreude seitens des Angestellten und ein daraus resultierender wirtschaftlicher Schaden für das Unternehmen sind Aspekte, die das Buch anschaulich und nachvollziehbar schildert. Am Ende finden sich konstruktive Ratschläge, die sowohl den kompletten Jobwechsel und eine berufliche Neuorientierung als auch das Modell der Teilzeit als Lösungsansätze nennen.

Zu den Autoren: Philippe Rothlin studierte an der Universität St. Gallen Recht und Betriebswirtschaft. Er war zahlreiche Jahre als Projektleiter im Banksektor tätig und arbeitet nun als selbstständiger Unternehmensberater. Peter R. Werder studierte an der Universität Zürich Publizistik, Philosophie und Musikwissenschaften. Auch er arbeitet unter anderem als Unternehmensberater.

Das Thema wird bereits mit einer eigenen Website im Internet behandelt: www.boreout.com.

Das im Redline-Wirtschaftsverlag erschienene Buch „Diagnose Boreout – Warum Unterforderung im Job krank macht“ (ISBN 978-3-636-01462-7) ist 136 Seiten stark und kostet 17,90 Euro.

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