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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Alte Lieder neu gehört

Man hört und spürt, dass diese CD für die Sängerinnen des Ensembles Schwesterhochfünf – Monika, Agnes, Franziska, Maria und Cordula Tschuschke – mehr ist als eine weitere (ihre dritte) Produktion: Zu hören sind keine Weihnachts-, sondern Adventslieder, das wird im Booklet betont.

Und mit ihnen erinnert sich Schwesterhochfünf an das, was man in der Voralpenregion die „stade Zeit“, die stille Zeit nennt: die Tage und Wochen vor Weihnachten, der immer heller werdende Kerzenschein am heimischen Adventskranz im elterlichen Haus, ja, wenn man so will: das Warten auf’s Christkind.

Und weil es bereits diverse CDs mit eben diesen Adventsliedern gibt, haben sich die Tschuschke-Schwestern mit verschiedenen befreundeten Komponisten (darunter Hans Schanderl, Uli Führe und Jonathan Brell) talentierte Tonkünstler ins Boot geholt, die eigens für dieses Ensemble Sätze geschrieben haben. „Es kommt [also] ein Schiff geladen“, mag man einen der eingespielten Canti zitieren – und zwar „bis an sein höchsten Bord“. Denn neben der über alle Zweifel erhabenen und anrührenden Sangeskunst von Schwesterhochfünf ist das vielleicht das Besondere und Herausragende an dieser CD: Man hört alte, bekannte, vielleicht auch sattsam „konsumierte“ Lieder neu – dank der durch die Bank weg schönen, teils sogar faszinierenden Satzkompositionen.

Die Aufnahme beginnt und schließt mit tonaler Tradition: „Macht hoch die Tür“, unisono von den verschiedenen Stimmen und Stimmgruppen gesungen macht den Anfang und mit Johann Crügers Satz von „Wie soll ich Dich empfangen“ beschließt Schwesterhochfünf (unterstützt vom Bass ihres Bruders Hans Tschuschke) die vorweihnachtliche Andacht. Dazwischen aber öffnen sie wie an einem klingenden Adventskalender (leider nur 14…) weitere Türchen, hinter denen sich so manche Überraschung verbirgt: wunderbar schlichte Choräle, beeindruckend-bizarre Verfremdungen des eigentlich Bekannten, kaleidoskophafte, vokale Interludien, wohl gesetzte Miniaturen.

„Maria durch ein Dornwald ging“ in zwei Variationen (es gilt die im Booklet abgedruckte Reihenfolge, die leider im Widerspruch zur Hüllenrückseite steht), „Es kommt ein Schiff geladen“, „Die Nacht ist vorgedrungen“ oder ein wunderbar von Melismen durchwirkter, bearbeiteter Praetorius-Satz stehen neben einer Stil-Kompilation von „Nun komm der Heiden Heiland“ aus Sätzen verschiedener Epochen. Das alles und noch viel mehr intoniert das Ensemble perfekt, klug und verständig und vor allem berührend, ohne sich je vor die Musik und ihre Botschaft zu schieben: Der Morgenstern ist aufgegangen.

Schwesterhochfünf: Adventslieder | Rondeau ROP6128

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