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Rasanter Ritt auf der Biowelle: Anka Zink verspricht „Wellness für alle“

Steuerflüchtlinge? Auslandseinsätze? Für Anka Zink heißt das alles überlagernde Thema derzeit Wellness. Und zwar für alle. Denn die Kabarettistin spielt ihr gleichnamiges Programm in einer Zeit, in der zugige Hotelzimmer als Räume mit Luftdusche gehandelt und der gemischte Salat zum Fitnessteller wird.

Zink greift die Biohysterie auf und reitet galant mit feinen Sarkasmen auf der Gesundheitswelle (herum): „Wir kompensieren mit Bio die Risikofaktoren der Krankheit Zivilisation“, meint die Rheinländerin und entwirft ein herrliches Schlachtengemälde vom kalten Buffet: Da wartete eine dieser Lustkillerinnen auf sie, eine von den „Besser-Essis“, die als „Hobbyernährungskundler ohne Diskretionsabstand zur Kräuterbutter“ ihre Vorliebe für gesundes Essen wie einen Religionsersatz herunterbeten. Doch Zink bleibt realistisch: „Wer Bio lebt, stirbt nur gesünder.“

Für den Fall der Fälle hat sich Zink aber bei der „Jenaer Jenseitigen“ versichert, die auf der „Sterba München“ und der „Inter-Tod“ in Köln für Haftpflicht gegen Grabplünderungen und Rechtsschutz vor dem jüngsten Gericht wirbt; wer dennoch in die Hölle fährt, kommt in den Genuss von Einzelspieß, Tagesqualengeld und Chefdämonenvisite. Immer hat man was zu lachen bei dieser Frohnatur mit Biss, denn herrlich schnodderig wirft sie ihre mitunter erfrischend derben Scherze dem Publikum wie saftige Fleischbrocken hin – und das schnappt beherzt und mit wohlig glucksendem Lachen nach jeder Pointe.

In „Wellness für alle“ ist wirklich für jeden etwas dabei. Und da Zink einen Wertewandel durch Wortewechsel ausgemacht hat, kann sie auch munter auf alles und jeden verbal einkloppen. Hierzulande gibt es ja immer weniger Kinder und die vorhandenen sind zu dick: „In der Masse gleicht sich’s also wieder aus, aber nicht im Ergebnis: Unsere Kinder sind medienkompetent, kommen aber nicht mehr über’n Zaun.“

Und warum essen die lieben Kleinen falsch? Die einen haben mit Tennis, Reiten und Imkern für Hochbegabte zu viele Termine und die anderen sind alleinerziehend: „An jeder Ecke wachsen sozial auffällige Geschöpfe nach.“

Denen entflieht Zink in den von Freunden erzwungenen Winterurlaub, wo sie beim Langlauf mit „Zwerg Schwer- und Flittchen Fliehkraft“ kämpft und auf der Après-Ski-Karte beim Jagertee überall die ä-Pünktchen einträgt, um hernach folgerichtig einen „Gluhwein“ zu bestellen.

Dabei kommt ihr Sport eigentlich nicht in die Tüte. Und zur Gewichtsreduzierung schon gar nicht: So etwas geht nur durch Hungern, wobei hier höchstens mal eine Wellnesswurst von glücklich massierten Schweinen drin ist. Zur Sinnfindung gehen bei ihr die Männer pauschal in den Puff und die Frauen auf die Fitnessfarm, wo sie Tee, also „buntes Wasser mit verschiedenen Temperaturen“ und nicht fühlbare Nahrung zu sich nehmen.

Dass Anka Zink viel mit Klischees arbeitet, gereicht dem Unterhaltungswert ihres Programms keinesfalls zum Nachteil. Im Gegenteil! Humorlosen Pelzgegnerinnen kommt sie mit Mantelrasur bei, trägt – „ein Superbegriff für Extremscrabblespieler!“ – giftstofffreie Kleidung und hält sich einen Dealer für die ganz harten Sachen wie grobe Leberwurst oder Spundekäs‘. Und das übrigens ganz ohne chronisch schlechtes Gewissen, das Zink ohne großes Federlesen über Bord wirft.

Hauptsache Spaß? An einem solchen Abend mag man hier keinerlei moralischen Einwände erheben.

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