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Preisgekrönter Windsbacher Knabenchor singt in Speyer Literatur aus vier Jahrhunderten

Wie ein Strahl fällt der durchgezogene Bogen, den Felix Mendelssohn-Bartholdy mit dem Vers „Sende Dein Licht und Deine Wahrheit“ in Psalm 43 vertont hat, in das Kirchenschiff der evangelischen Gedächtniskirche in Speyer. Der Windsbacher Knabenchor ist hier zu Gast und singt Chorwerke aus vier Jahrhunderten. Seit Jahren ist es das immer wieder variierte Standardprogramm, freilich – aber immer wieder hört man die Stücke von Schütz, Reger oder Bruckner mit neuen Ohren, fast wie zum ersten Mal.

Chorleiter Karl-Friedrich Beringer ist dafür bekannt, künstlerisch keinerlei Kompromisse einzugehen; und das wissen auch die Knaben- und Männerstimmen, die mit messerscharfer Artikulation und Diktion einen silberfarbenen Klang erzeugen, dem sie durch Volumen und wohl gesetzte Dynamik eine warme Farbe zu geben verstehen. Vor allem die Männerstimmen verblüffen: Die Tenöre klingen schlank und klar, die Bässe bilden ein breites und festes Fundament. Wenn man bedenkt, dass die Ältesten von Ihnen in ein paar Monaten erst ihr Abitur machen werden, ist die Akkuratesse umso bestechender.

Was den Stücken immer wieder Kontur verleiht, ist die Sprache, egal ob im rhythmisch skandierten „Cantate Domino“ von Vytautas Miskinis (* 1954) oder in Werken aus Renaissance und Frühbarock; das „Pater noster“ von Jacobus Gallus (1550-1591) oder „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ von Heinrich Schütz sind solche Stücke: „Es ist keine Sprache noch Rede“ ist ein Plappern, der „Held, der seinen Weg läuft“, erklingt mit stolzgeschwellter Brust, die Sonne, die ihren Weg geht, beschreibt eine leuchtende Linie. Und noch mal Mendelssohn: Hier rezitiert der Chor den Vers, in dem der Psalmbeter Gott auf der Harfe dankt; und tatsächlich meint man, zart gestrichene Saiten zu hören.

Wenn der Windsbacher Knabenchor singt, ist Forte nicht laut, sondern volltönend, profund und substantiell, ein Piano nicht leise, sondern filigran und transparent. Diese dynamische Finesse verleiht auch den Motetten von Max Reger und Anton Bruckner ein fein abgestuftes Profil.

Dass die Windsbacher sich nicht nur in den vergangenen Jahrhunderten wohl fühlen und stilsicher bewegen können, zeigen die zeitgenössischen Werke wie die Motette „Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes“ von Gottfried Müller (1914-1993) und Heinrich Hartl (* 1953).

Durchbrochen wurden die Partien dieses Konzerts von mächtigen Orgelwerken, die Bezirkskantor Torsten Wille ebenfalls beeindruckend interpretierte: Präludium und Fuge fis-moll von Dietrich Buxtehude, die Passacaglia c-moll (BWV 582) von Johann Sebastian Bach und die monumentale Fantasie und Fuge über b-a-c-h von Franz Liszt.

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