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Kluger Aufklärer

MAINZ (2. Juni 2018). Erst war es die Nahrung, dann das Wasser – jetzt hat sich Philipp Weber die Werbung vorgeknüpft und legt damit ein weiteres Glanzstück richtig gut gemachten Kabaretts vor. Es geht um die Kunst der Verführung. Wie funktioniert Werbung und wie schnell wird sie manipulativ, sprich als unbewusster Zwang, eingesetzt?

Das erzählt der Künstler in seinem rund zweistündigen Solo „Weber No5: Ich liebe ihn!“. An Informationsgehalt kann es dieses Kabarett locker mit jedem Seminar zum Thema aufnehmen, der Unterhaltungswert ist natürlich noch ungleich größer.

Weber springt über die Bühne wie ein Känguru nach fünf doppelten Espressi und legt den Finger in die klaffenden Wunden, die die Werbung täglich in die Aufmerksamkeit des Publikums schlägt: 6000 solcher Botschaften bekomme jeder täglich um Ohren und Augen gehauen. Nicht nur die Zahlen, die Weber einsetzt, sind gut recherchiert, was auch schon in den Vorgängerprogrammen beeindruckte.

Doch Werbung tut ja Not und auch ein Kabarettist muss für sich trommeln. Aber der Mensch benötige eben nur zehn Prozent der Dinge, die er kauft, wirklich. Und er kaufe vor allem neue, nicht unbedingt bessere Produkte. Weber beispielsweise kann eine beachtliche Milchaufschäumer-Sammlung vorweisen. Aber auch eine „Rolex Oyster“ für mehrere tausend Euro zeige eben nur die Zeit – wenn auch noch in 1.200 Metern Tiefe.

Und schon ist man bei der manipulativen Seite der Werbung, die vor allem mit Emotionen arbeitet. Bestechend logisch erklärt Weber dabei den Sinkflug der SPD und den Erfolg der AfD: „Die SPD wirbt mit Gerechtigkeit, wofür sich in unserer Wohlstandgesellschaft aber niemand mehr interessiert; dagegen setzt die AfD voll auf das Thema Sicherheit.“ Doch Obacht: Wer genau hinschaue, merke schnell, dass es sich bei diesen Rechtspopulisten auch um Neoliberale handele: „Wenn die alles durchsetzen, haben Sie nichts mehr, was Sie sichern können.“

Philipp Webers Kabarett ist klug und dabei wunderbar komisch verpackt. Der Künstler selbst überzeugt durch seine direkte und grundsympathische Art. Zwei Jahre gingen in Mainz seit seines letzten Gastspiels ins Land. Hoffentlich dauert es bis zum nächsten nicht so lange.

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