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Ein Heidenspaß unterm Christbaum

MAINZ (18. Dezember 2025). Vielleicht muss man ja Kind (geblieben) sein, um der Vorweihnachtszeit noch einen Reiz abgewinnen zu können? Rational betrachtet werden nämlich gerade diese Wochen immer unerträglicher. Davon handelt auch das erste Lied von Bastian Korff, das er, von Florian Ludewig am Klavier begleitet, im kleinen Unterhaus singt. Es heißt „Früher hat Weihnachten doch mal Spaß gemacht“ und gibt dem Programm auch seinen Namen. Immer größere Geschenke, immer greller werdende Lichterketten und grassierender Optimierungszwang: „Früher hat eine Kerze gereicht“, intoniert Korff lakonisch.

Der Kabarettist trifft buchstäblich den richtigen Ton, denn er hat eine wunderbare Stimme, die, zumindest an diesem Ort, eigentlich gar kein Mikrophon braucht. Kein Wunder: Korff ist ausgebildeter Schauspieler, Radiomoderator beim Hessischen Rundfunk und Sprecher von Hörbuch- und Hörspielproduktionen. Eine große Stimme, die trägt. Gemeinsam mit Ludewig, der einst das legendäre (und schmerzlich vermisste) Duo „Malediva“ (Lo Malinke und Tetta Müller) am Klavier komplettierte, bildet er das Duo „PopKabarett Korff-Ludewig“ und tourt seit rund zehn Jahren durch die Republik. Auf ihrer Homepage stellen sie sich als „Vollblutunterhalter“ vor, „die perfekte Mischung aus U und E, also eigentlich Ü“. Stimmt beides.

Zurück ins Unterhaus, wo es für alle, die der Vorweihnachtszeit mal die lange Nase drehen wollen, mächtig was auf die Ohren gibt. Sinnlich und besinnlich, aber vor allem ironisch und mit einem Schuss Sarkasmus präsentiert das Duo einen schmissig moderierten Liederkranz – mal balladesk, mal swingend. Mit „Weihnachten steht vor der Tür, mach bloß nicht auf“ wollten sie angeblich in der ARD-Sendung „Adventsfest der 100.000 Lichter“ reüssieren. Hätten sie’s doch mal getan – es wäre ein echtes Fest geworden.

Saisonal vorgezogene Lebkuchenangebote, über deren Sinn Korff sich mit der Oblate samt nussiger Trägermasse bei 40 Grad im Freibad unterhält, wechseln mit Beobachtungen des ordnungsgemäßen Aufhängens von Lichterketten im Nachbarhaus, dem richtigen Vortäuschen von Freude über ein falsches Geschenk oder Weihnachtsessen bis hin zur musikalischen Gestaltung des Fests der Feste. Und da Korff ja beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk arbeitet, hat man es jetzt quasi amtlich: „Ja, man darf lachen, wenn Kinder Blockflöte spielen.“

Neben derart gut platzierten Seitenhieben gibt es vor allem eins: Geschenke. Und zwar welche, die gefallen. Es geht um „Jeanette, das kleine Brikett“ und den Brauch, unartigen Kindern ein Stück Kohle zu schenken. Der nebenfigürliche Josef bekommt seinen eigenen Song und als Höhepunkt wird die Tradition des Krippenspiels knisternd gegen den Strich gebürstet, wenn der kleine Rudi in Mädchenkleidern unbedingt die Maria spielen will.

Hier kommt es nun zu einem Moment, den nur eine Liveaufführung bietet: Als Korff dieses Lied ankündigt und meint, es spiele in Bayern, ruft einer aus dem Publikum „Vorsicht!“. Auch wenn das sicherlich nicht bierernst gemeint war, bringt es den Sänger doch kurz aus dem Konzept und man sieht, wie es in ihm arbeitet. Doch mit dem Satz, dass gerade ein Lied Gräben zuschütten könnte, ist die Situation ratzfatz gerettet, der Song wird gefeiert.

So ist „Früher hat Weihnachten doch mal Spaß gemacht“ ein echter Heidenspaß, bei dem es sich lohnt, hinzuhören. Und hinzusehen: Im zweiten Teil trägt der Sänger einen Weihnachtspullover mit Tannenbesatz, Kugeln, Lichterkette und quasi als Christbaumspitze einem dreidimensionalen Rentier-Kopf vor dem Bauch, was durchaus optische Nehmerqualitäten erfordert.

Als lautstark erklatschte Zugabe geben Korff und Ludewig die rührende Ballade „Lichtschein auf dem Wasser“ und lassen es im Anschluss mit Bonnie Tylers „Total Eclipse of the Heart“ rockig ausklingen. Am Ende des ersten Teils gab es schon „Holding Out for a Hero“. Und mit der nachgelieferten deutschen Übersetzung hatte der Song mit seiner Sehnsucht nach einem Retter ja ebenfalls fast schon wieder etwas Weihnachtliches …

„Rudi will Maria sein“ kann man sich auch auf YouTube anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=HesG2IgvfWM

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