Auf dem Weg zur Profession
KIEDRICH (12. April 2026). Bereits zum siebten Mal veranstaltete die Barock Vokal Akademie der Hochschule für Musik (HfM) Mainz ein Mäzenatenkonzert: Eingeladen hierzu waren und sind Menschen, die sich für Barockmusik begeistern. Durch ihre Spende am Ende – die Konzerte finden bei freiem Eintritt statt – unterstützen sie die Arbeit der Akademie und werden symbolisch zu Mäzenen.
Haben das Exzellenzprogramm für Alte Musik und der Heinz-Frankenbach-Preis bereits professionell(er) arbeitende Stimmen im Visier, präsentiert Prof. Elisabeth Scholl als Leiterin von Barock Vokal mit den Mäzenatenkonzerten ihre aktuell Studierenden, was einen ganz eigenen Reiz hat: Statt fertig ausgebildete Sängerinnen und Sänger erlebt das Publikum hier Talente auf ihren individuellen Wegen zur Profession. Da muss nicht jede Intonation lupenrein sein, das braucht auch noch keinen Festivalcharakter zu haben. Und trotzdem hört man ein programmatisch durchdachtes Konzert mit engagierten Sängerinnen und Sängern – und manche von ihnen in ein paar Jahren vielleicht dann auch auf größeren Bühnen.
Traditionell finden die Mäzenatenkonzerte in der Basilica minor St. Valentin und Dionysius in Kiedrich statt und somit in direkter Nachbarschaft zu Kloster Eberbach. Vielleicht beflügelte die geringe Distanz zu einem der Hauptspielorte des Rheingau Musik Festivals ja den einen oder die andere? In diesem Jahr musizierte Elisabeth Scholl mit aktiven und früheren Studierenden der HfM Mainz sowie dem Ensemble Suttonia ein Programm mit Passionsmusik, das gleich zwei Vertonungen des „Stabat mater“ präsentierte: neben dem sicherlich bekannterem von Giovanni Battista Pergolesi das des rund hundert Jahre vorher geborenen Giovanni Felice Sances.
Den Anfang machte Prof. Markus Stein mit Johann Pachelbels Partita über den Choral „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ auf der um 1500 erbauten Orgel (was sie zu einer der ältesten spielbaren in Deutschland macht), gefolgt von einem Gregorianischen Choral, womit Nachwuchsstimmen der Kiedricher Chorbuben, mittlerweile fester Bestandteil der Mäzenatenkonzerte, ihren Soloauftritt hatten. In Chorälen von Johann Sebastian Bach und im berühmten „Miserere mei“ von Gregorio Allegri verstärkten sie auch die Chorstimmen der HfM-Studierenden.
Was aus ihnen später mal werden kann, zeigten Nerea Elizaga Gomez, Emilie Jønsson und Heejoo Kwon (Sopran) sowie Fabian Kelly (Tenor) und Maximilian Viellehner (Bass) als erfolgreiche Absolventen der HfM. Die Damen sangen das „Stabat mater“ von Sances sowie mit Scholl den Choral zur Tenorarie aus Bachs „Actus tragicus“ (BWV 131). Auch die Jugend zeigte Begabung: Drei Mädchen der Kiedricher Chorbuben, in denen längst nicht mehr nur Knabenstimmen singen, gefielen mit einem Lied aus dem „Schemelli-Gesangbuch“ ebenfalls von Bach.
Was in den Mäzenatenkonzerten für alle ebenfalls einen lohnens- wie hörenswerten Ansporn darstellt, ist das Musizieren mit professionellen Instrumentalisten und Instrumentalistinnen, wodurch auch die eigene Professionalität wächst. So auch beim (recht flott musizierten) „Stabat mater“ von Pergolesi, bei denen sich in der Regel zwei Solistinnen die Sopran- und Altpartien teilen. Wohl eher selten tun dies gleich mehrere Sängerinnen – wie hier in St. Valentin Vivienne Eller, Dohyun Lee, Jiyoon Shin und Paula Maria Müller (Sopran) sowie Esther Bathelt und Sophia Lugauer (Alt). Das ließ das schon oft gehörte Stück in einem gänzlich neuen Licht erklingen und man genoss die individuellen Vorzüge der jeweiligen Stimmen. Durch diese originelle Verteilung bekam man sozusagen einen Querschnitt durch die vokalen Qualitäten der HfM-Studierenden, was einen umso neugieriger lauschen ließ.
Eine weitere vokale Perle sang Nerea Elizaga Gomez mit der Arie „Schlage doch, gewünschte Stunde“ von Bachs Zeitgenosse Melchior Hoffmann, in der ein musikalisch die Lebensuhr abbildendes Glockenspiel den vertonten Text apart unterstützt. Das siebte Mäzenatenkonzert, das kunstvoll das Spannungsfeld zwischen Trübsal und Hoffnung sowie Bangen und Gottvertrauen absteckte, schloss mit dem Choral vom Beginn, diesmal im vokal vorgetragenen Bach-Satz. Der Applaus war hochverdient.


