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Barocke Noblesse

MAINZ (2. Dezember 2014). Sind es in der Advents- und Weihnachtszeit vor allem die vokalen Werke Johann Sebastian Bachs, die die Klassikszene auch vor Ort bestimmen, stellte Volker Ellenberger gemeinsam mit Musikerinnen und Musikern des Frankfurter Ensemble für Barockmusik jetzt drei orchestrale Werke des Thomaskantors in den Mittelpunkt.

In der Josefskapelle kamen neben der zweiten Orchestersuite (BWV 1067) das Tripelkonzert für Flöte, Violine, Cembalo, Streichorchester (BWV 1044) sowie das 5. Brandenburgische Konzert (BWV 1050) zur Aufführung.

Laut Ellenberger werden diese Werke, obschon sattsam bekannt und beliebt, selten in einem Konzert aufgeführt. In diesem Konzert stellte der versierte Bachinterpret daher die rhetorische Frage, warum dies wohl so ist, ergänzen sich die drei Stücke doch bestens: Sowohl im Tripelkonzert als auch im fünften Brandenburgischen kommt dem Cembalo eine wichtige Rolle zu, während die Suite in der Badinerie die Querflöte in den Vordergrund stellt und ihr somit das Format eines virtuosen Orchesterkonzerts gibt.

Das fünfte Brandenburgische Konzert ist, obgleich das vorletzte in der Zählung, das jüngste der sechs Werke, die ihren Namen der Widmung an den Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg verdanken. Bach erweist sich in diesen Stücken als Kenner des aristokratischen Musikgeschmacks, der das Metier des weltlichen Instrumentalkonzerts mit gleicher Virtuosität wie das der geistlichen Musik beherrscht.

In BWV 1067 hob der Komponist das Cembalo aus der Anonymität des Tutti heraus und gedachte ihm einen kunstvollen Solopart zu, den Ellenberger brillant meisterte. Ihm stand das äußerst schlank besetzte und dementsprechend transparent musizierende Instrumentalensemble in nichts nach: dicht geführt das Affetuoso des zweiten Satzes, galant und tänzerisch das finale Allegro.

Im Tripelkonzert gesellten sich zum Solisten am Tasteninstrument mit Leonard Schelb (Traversflöte) und Swantje Hoffmann (Violine) zwei weitere profunde Kenner der Bachschen Musik. Kam dem Cembalo im Kopfsatz mit seinem sakralen Gout noch eine favorisierte Stellung zu, pendelte sich im getragenen Adagio des Mittelsatzes das Gleichgewicht der Soloinstrumente ein, was den Künstlern die Möglichkeit gab, ansprechend miteinander zu dialogisieren. Im letzten Teil trat dann wieder das Cembalo in den Vordergrund: mit kraftvollem, ja fast schon trotzigem Anschlag verlieh Ellenberger seiner Partie nachhaltig Kontur.

Die zweite Orchestersuite glänzt wie ihre drei Schwesterwerke mit noblem Gestus. Das Frankfurter Ensemble für Barockmusik folgte diesem Impetus gerne und musizierte den vornehmen Duktus herzhaft aus: Vor allem hier zeigte Flötist Leonard Schelb Mut zu rasantem Tempo und spielte die zweite Bourrée sowie die berühmte Badinerie äußerst beschwingt. Hier wurde einmal mehr deutlich, dass die Orchestersuiten eben aus Tanzsätzen bestehen.

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