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Benefiz für Bonifaz

MAINZ (28. August 2017). Wäre es mit einem Anruf beim Orgelstimmer getan – die Gemeinde von St. Bonifaz hätte das Problem längst gelöst. Doch nicht nur die Intonation des Instruments ist indisponiert: Die Orgel befindet sich sozusagen im Invalidenstand.

Dies war bei der ersten von vier Veranstaltungen, um auf die Maläsen aufmerksam zu machen und Spenden für eine Sanierung zu sammeln, durchaus hörbar. Doch was den Konzertgenuss teilweise trübte, zeigte vor allem, wie notwendig diese Orgelrenovierung ist.

Wie schön hätten die Duette, die Organist Markus Stein und Cellist Felix Koch für dieses Konzert ausgewählt hatten, klingen können: Paul Hindemiths tonal anregende Meditation und Gabriel Faurés hochromantische „Sicilienne“ op. 78. Doch der klangliche Graben, der beide Instrumente voneinander trennte, war einfach zu breit. Konnte Stein die Mängel des Instruments bei Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge Es-Dur (BWV 552) eher notdürftig kaschieren, brauste Max Regers Choralfantasie „Halleluja Gott zu loben“ op. 52/3 aufgrund ihrer Polyharmonie „störungsfreier“ durch St. Bonifaz. Man darf also durchaus gespannt sein, mit welchen Tricks die weiteren Gastorganisten das sanierungsbedürftige Instrument bespielen werden.

Die Kunstfertigkeit des Duos kam also vor allem im ersten Konzertteil voll zur Geltung: bei der melodiösen Bravade Jakob von Eycks, in der von Stein auf dem Cembalo begleiteten B-Dur-Cellosonate Antonio Vivaldis und Bachs Gambensonate in G-Dur (BWV 1027), die Koch auf einem fünfsaitigen Cello intonierte. Gerade hier faszinierte der dritte Satz: Filigran und hauchzart erinnerte das Andante mit Transparenz und Zerbrechlichkeit an dünnwandiges Glas. Bach schrieb hier eigentlich ein Trio, wobei das Cembalo zwei der Stimmen übernimmt: Die Herausforderung, das Cello zu begleiten und doch selbstbewusst die Eigenständigkeit der beiden Stimmen zu behaupten, meisterte Stein bravourös.

Felix Koch, den das Mainzer Publikum eher als Dirigent von Unichor, Uniorchester oder Gutenberg-Kammerchor erleben kann und der die einzelnen Stücke des Abends gewohnt charmant anmoderierte, gefiel auch beim emotional vielschichtig musizierten Vivaldi: Mit innig empfundenen Melismen und langen Tönen interpretierte er die verträumten und klagenden Melodien in den langsamen Sätzen, die scharf mit dem Feuer der schnellen Partien korrespondierten.

Dass Musik beim Menschen eine heilende Wirkung haben kann, steht außer Frage – würde dies auch bei Dingen funktionieren, müssten in die Orgelsanierung nach diesem Konzert wahrscheinlich weniger als die benötigten 240.000 Euro investiert werden…

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