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Musikalische Freundschaften

MAINZ (25. November 2018). Am Schluss ist man nur noch erfüllt von dieser überschäumenden Musizierfreude, mit der die Mitwirkenden eines außergewöhnlichen Konzertprojekts den Kirchenraum von St. Ignaz gleichsam geflutet haben. Auf dem Programm standen das „Dixit Dominus“ von Georg Friedrich Händel, das „Miserere“ aus dem Jahr 1738 von Jan Dismas Zelenka und die Kantate „Alles, was ihr tut mit Worten oder Werken“ von Dietrich Buxtehude.

Das Konzert ist die realisierte Idee einer drei Bundesländer übergreifenden Kooperation befreundeter und eigentlich a cappella musizierender Ensembles aus Saarbrücken (SaarVoir Chanter), Mannheim (Filsbach Consort) und Mainz (Enona). In allen drei Städten trat man, begleitet von Instrumentalisten der Hochschule für Musik Saar, auf – Mainz bildete den Abschluss des Projekts, das unbedingt fortgesetzt werden sollte.

Denn dieser Chor lässt beim Liebhaber exquisit dargebotener Vokalmusik auch bei höchsten Ansprüchen keine Wünsche offen: Lichte Transparenz, glasklare Intonation und genaue Diktion der Register – den Vergleich mit großen Namen aus der Profiliga braucht man keineswegs zu scheuen. Allein die Schlussfuge im „Dixit Dominus“ klingt wie aus dem Lehrbuch und trotzdem alles andere als akademisch, sondern voller Esprit und Eleganz. Auch das auf modernen Instrumenten musizierende Orchester greift die Akzente von Dirigent Mauro Barbierato mit Verve auf.

Vielleicht hätte das „Dixit Dominus“ aufgrund seines zuweilen durchaus brutalen Inhalts noch etwas mehr Schärfe vertragen können. Doch das Konzert überzeugt letztendlich in seiner Gesamtheit. Und aufgrund wunderbarer Momente: Herrlich werden die schwungvollen Geigenlinien in der Sopran-Arie bei Zelenka mit der von Larissa Schnadt apart intonierten Solokadenz musiziert; nachdrücklich, fast schon gebetsmühlenartig wiederholen die Bässe das Thema des „Miserere“ das ganze Chorstück über in wechselnden Tonlage, während die anderen Stimmen die beachtliche Textmenge bewältigen.

Und geradezu sphärisch gerät das Duett von Mechthild Rommelspacher und Catherine Wachter (beide Soprane singen bei Enona) bei Händel: Wenn junge Menschen Alte Musik derart lebendig musizieren, dann ist das Statement und Zeichen zugleich. Da capo!

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