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Getragen vom gemeinsamen Geist

MAINZ (4. September 2016). „Junge Musiker mit guter Stimmung in der Seele und den Instrumenten – und ein wunderbares Programm.“ Mit diesem Satz, einem Eintrag von Klaus Thunemann (Professor für Fagott in Berlin und langjähriger Dozent von Villa Musica) in das Gästebuch der Landesstiftung, beginnt nicht nur die Festschrift zum 30-jährigen Jubiläum der viel gelobten „Kaderschmiede für Kammermusik“.

Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsident Malu Dreyer zitiert ihn in ihrer Festrede und schwärmt von der „besonderen kulturpolitischen Einrichtung“, vom Konzept der Förderung und den Konzerten, vom „besonderen kulturellen Schatz“ und dem „Kompetenzzentrum für Kammermusik“. Über einen Satz aber dürften sich die Verantwortlichen am meisten gefreut haben: Man werde alles tun, dass sich Villa Musica auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter so gut entwickeln könne.

Dann aber erklingt das, wofür die Landesstiftung seit drei Dekaden steht: vorzüglich interpretierte Kammermusik. Zum Festkonzert jedoch treten ausnahmsweise keine Nachwuchstalente auf, sondern die „Villa Musica All Stars“: zwölf frühere Dozentinnen und Dozenten der Stiftung, darunter auch ehemalige Stipendiaten.

Das erste Werk des Abends ist auch gleichzeitig das am meisten Raum Greifende: Ludwig van Beethovens Es-Dur-Septett (op. 20). Dieses Stück schlägt durch seine Besetzung mit Bläsern und Streichern einen eleganten Bogen zur Sinfonik und erinnert dadurch ganz kurz – schließlich steht das Jubiläum 30 Jahre Villa Musica im Mittelpunkt – daran, dass dieser Abend auch die Saisoneröffnung der Mainzer Meisterkonzerte ist. Hier geht es am 30. Oktober in der Rheingoldhalle mit Beethovens siebter Sinfonie und dem dritten Klavierkonzert weiter.

Doch bei Villa Musica steht eben die Kammermusik im Mittelpunkt und die Künstler des Abends musizieren sie höchst transparent und wunderbar melodiös: Bei Beethovens Opus 20 gefallen besonders der lyrische Ton im Adagio cantabile des zweiten Satzes, die deliziösen Soli im dritten und das köstliche Dialogisieren im vierten Satz mit seinem Tema con Variazioni.

In anderer Besetzung werden die „All Stars“ den Abend beschließen: Mit dem „Souvenir de Florence“, Pjotr Tschaikowskys d-moll-Streichsextett (op. 70), gewähren die Künstler einen Blick in die russische Seele, wodurch ganz nebenbei auch die Internationalität, von der die Arbeit bei Villa Musica geprägt ist, dokumentiert wird. Leicht und tänzerisch wiegen sich die Musiker im Allegro con spirito und werden dabei ganz offensichtlich vom gemeinsamen Geist getragen.

Zuvor hat das Publikum ein klingendes Kaleidoskop mit Musik von Guillaume Connesson, Olivier Messiaen sowie Nicolò Paganini und Schlaglichtern zur spannenden Geschichte der Stiftung erlebt: Da sind die Anfangsjahre mit viel neuer Musik (was wohl nicht jedem gefällt); da sind begeisterte Musiker und Veranstalter; da wird der damalige Kulturstaatssekretär und heutige Koblenzer Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig durch seine Aufgabe als Vorstandsvorsitzender zum glühenden Kammermusik-Fan; da wird die Akademie in Schloss Engers eröffnet; da ist das Festival RheinVokal; da ist die neue Reihe „Classic Clash“.

Und so manche Anekdote kommt zur Sprache: wie die vom Fahrer, der mit dem Cellisten Steven Isserlis im Fond eine Stunde lang herumkurvte, weil er die (weithin sichtbare) Jugendstil-Festhalle in Landau nicht fand – Geschäftsführer Karl Böhmer und der Künstlerische Leiter Alexander Hülshoff werfen sich die Bälle kurzweilig zu und nennen beeindruckende Zahlen: In 30 Jahren fanden an 100 Spielstätten mit 3000 Stipendiaten und 6000 Werken 4000 Konzerte statt. Fortsetzung folgt.

Villa Musica All Stars
Marc Bouchkov, Friedemann Eichhorn und Boris Garlitsky (Violine), Eszter Haffner und Kyoung-Min Park (Viola), Sebastian Hennemann, Alexander Hülshoff und Tomáš Jamník (Violoncello), Alexander Edelmann (Kontrabass), Shelly Ezra (Klarinette), Frank Lloyd (Horn) und Theo Plath (Fagott)

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