Jazztrompeter Terence Blanchard in Mainz geehrt
MAINZ (16. Juli 2026). Der US-amerikanische Trompeter Terence Blanchard zählt seit Jahrzehnten zu den prägenden Persönlichkeiten des modernen Jazz. 1962 in New Orleans geboren, lernte er bereits als Kind Klavier und Trompete. Mit 15 Jahren erhielt er Kompositionsunterricht am renommierten New Orleans Center of Creative Arts, bevor er von 1982 bis 1986 den legendären Jazz Messengers um Schlagzeuger Art Blakey angehörte. Neben Opern komponierte Blanchard zahlreiche Filmmusiken. Für seine Soundtracks zu Spike Lees „BlacKkKlansman“ (2018) und „Da 5 Bloods“ (2020) wurde er jeweils für einen Oscar nominiert. Er veröffentlichte mehr als 20 Alben und gewann bei 16 Nominierungen sieben Grammys in den Kategorien Komposition, Jazz und Oper.
Nun wurde Terence Blanchard in Mainz mit dem Gutenberg Teaching Award 2025 geehrt, der als mit 10.000 Euro höchstdotierter Lehrpreis der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz alle zwei Jahre vom Gutenberg-Lehrkolleg an Personen von außerhalb der Universität vergeben wird. Den Preis erhielten zuvor unter anderem der neuseeländische Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. h. c. John Hattie, die botswanische Theologin und Beauftragte für HIV/AIDS des Weltkirchenrats, Prof. Dr. Musa Dube, der amerikanische Physiker und Nobelpreisträger Prof. Dr. Carl Wieman sowie der japanische Dirigent und Gründer des Bach Collegiums Japan, Prof. Masaaki Suzuki.
In seiner Laudatio betonte Prof. Dr. Andrej Gill, Direktor des Gutenberg-Lehrkollegs: „Dass wir Terence Blanchard für seine herausragende Lehre auszeichnen, zeigt, dass an der Johannes-Gutenberg-Universität Kunst und Wissenschaft gleichrangig nebeneinanderstehen.“ Gerade weil künstlerische und wissenschaftliche Lehre unterschiedlichen Prinzipien folgten, könnten beide Bereiche voneinander profitieren und sich gegenseitig inspirieren. „Blanchards Verständnis von Mentoring, sein experimenteller Unterricht als kreatives Labor und seine gesellschaftlich sensible Perspektive sind weit über die Musik hinaus eine Inspiration für gute Lehre.“
Gill hob dabei hervor, dass das künstlerische Schaffen des Geehrten untrennbar mit seinem Einsatz für Menschenrechte, Bürgerrechte und soziale Gerechtigkeit verbunden sei. Sein Album „Breathless“ widmete Blanchard dem durch Polizeigewalt ums Leben gekommenen Eric Garner, dessen letzte Worte „I can’t breathe“ später zu einem zentralen Ruf der Bürgerrechtsbewegung wurden. Gill zitierte Blanchard wörtlich: „Irgendwann fragt man sich: Wer wird für uns aufstehen und seine Stimme erheben? Dann blickt man sich um und erkennt, dass Menschen wie James Baldwin, Muhammad Ali oder Martin Luther King nicht mehr da sind. Und plötzlich versteht man, dass diese Aufgabe nun bei einem selbst liegt.“
Terence Blanchard zeigte sich tief beeindruckt von der Entscheidung des Gutenberg-Lehrkollegs und erklärte in seinen Dankesworten: „Ein guter Lehrer vermittelt nicht möglichst viele Begriffe, sondern hilft seinen Schülerinnen und Schülern, das Wesentliche zu verstehen und ihre eigenen Fähigkeiten zu entfalten. Unterrichten bedeutet nicht, Träume zu zerstören, sondern Menschen die Werkzeuge zu geben, damit sie neue Träume entwickeln können.“ In einer Jazzband könne nicht einer allein bestimmen: „Jeder trägt etwas bei, jeder hört zu, jeder stellt einen Teil seiner eigenen Vorstellungen in den Dienst des Ganzen.“ Auf der Bühne erlebe man dabei eines der besten Beispiele dafür, wie Gemeinschaft funktionieren sollte: „Selbstlosigkeit ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die wir jungen Musikerinnen und Musikern vermitteln können.“
Im Anschluss an die Preisverleihung war Blanchard natürlich auch live zu erleben: Zusammen mit den Bandmitgliedern des international besetzten Gutenberg Jazz Collective 2026 – aktuell mit der Sängerin Līva Dumpe, dem Saxofonisten Coleman Rose, dem Pianisten Leandro Hernández Waber, der Bassistin Kertu Aer und dem Schlagzeuger Kabelo Mokhatla (sowie Matthias Nick als Gast der Arbeitsphase an der E-Gitarre) – gab der Trompeter ein faszinierendes Konzert mit Kompositionen der Studierenden und zeigte damit eindrucksvoll, welche künstlerischen Früchte seine pädagogische Arbeit trägt.
Am Folgetag leitete Blanchard eine Masterclass an der Hochschule für Musik Mainz. Anschließend nahm er an einem vom Obama Institute for Transnational American Studies der Johannes-Gutenberg-Universität organisierten Gespräch über soziale Gerechtigkeit und Kultur in den USA teil.


