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Sag zum Abschied laut Servus

MAINZ (9. August 2019). Gerade noch pünktlich haben die Programmplaner des Mainzer Musiksommers das David Orlowsky Trio eingeladen, nachdem die Künstler 2014 bereits zu Gast waren – damals spielte man open air im Kreuzgang von St. Stephan: Namensgeber David Orlowksy (Klarinette), Florian Dohrmann (Kontrabass) und Jens-Uwe Popp (Gitarre) beenden nach 21 Jahren ihre Zusammenarbeit als Trio und gehen künstlerisch künftig getrennte Wege. Im Streit geht man auf jeden Fall nicht auseinander – dafür versteht man sich musikalisch zu gut, was man auch während der Abschiedstournee in jedem Augenblick merkt.

Klezmer ist das Genre, dem man sich verschrieben hat und dessen Grenzenlosigkeit man genießt und auskostet – diesseits und jenseits der Bühne. Da wendet sich die Klarinette dem Kontrabass zu, scheint ihn zu necken, vielleicht auch mit ihm zu flirten. Das passt ja: Auf die über 20 Jahre dauernde gemeinsame Zeit sei man stolz, verrät Orlowsky. „Eine durchschnittliche Ehe dauert in Deutschland sieben Jahre und drei Monate“, schmunzelt der Klarinettist: „Und wir sind ja zu dritt.“

In dieser Künstlerehe versteht man sich also immer noch blendend. Der Tuttiklang wechselt mit tollen Soli, die Duette von Bass und Gitarre sind ob ihrer Zartheit besonders faszinierend und passen perfekt in die intime Stimmung der Kapelle St. Antonius. Einziger Knackpunkt ist die zuweilen überbordende Dynamik der Klarinette beim Überblasen: Was damals in St. Stephan begeisterte, ist hier leider vor allem laut. Gleichviel: Das Publikum im ausverkauften Gotteshaus ist begeistert.

Und wie könnte es auch anders sein? Das Trio spielt immer als solches: Keiner ist wichtiger, auch wenn die Klarinette klanglich natürlich immer ein bisschen vor den Saiteninstrumenten steht. Jeder musiziert melodiös und wirkt gleichermaßen perkussiv, wodurch die Musik etwas gleichsam organisch Atmendes bekommt. Mal kichert die Klarinette, mal greint der Bass, der Gitarrist treibt beide an. Die Musik wechselt zwischen rasantem Vorwärtsdrängen und weichem Duktus – in Triolen fliegen die Finger Orlowskys über die Klappen und der Rhythmus ist so vital, dass man eigentlich lieber tanzen möchte als still auf seinem Stuhl zu sitzen. Die Musik ist assoziationsreich; und weil darauf verzichtet wird, jedes Stück beim Namen zu nennen, lädt sie auch bewusst dazu ein.

Gemessen am Applaus ist sich das Publikum an diesem Abend einig: Schade, dass das Trio als solches aufhört. Aber klugerweise informiert ein ausliegender Flyer über die weiteren Pläne der drei Musiker: Orlowsky entdeckt gemeinsam mit dem Lautenisten David Bergmüller Henry Purcell, Popp startet im Solo und Duett durch und Dohrmann widmet sich dem Jazz. Die Adressen der drei werden die Planer des Mainzer Musiksommers ja sicherlich schon abgespeichert haben.

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