» Musik

Barockmusik, die Funken schlägt

MAINZ (19. August 2020). Wie schade, dass das Ensemble Artemandoline aufgrund verschärfter Quarantäne-Vorschriften letztendlich nicht anreisen konnte. Doch die Sopranistin Nuria Rial hatte mit den famosen Barockmusikern von UrgentMusic ebenfalls traumhafte Partner.

Das Programm hieß „Amor vincit Omnia“ – zu Deutsch: Die Liebe besiegt alles. Und so, wie die Künstler durch die Musik zum Musiksommer-Publikum im Schloss sprachen und mit den Werken der meist italienischen Barockkomponisten umgingen, durfte man tatsächlich von einer klingenden Liebesbezeugung sprechen: gegenüber den Kompositionen und dem Auditorium gleichermaßen.

Der Beginn ist instrumental: „Tinna Nonna“ von Emanuele Barbella. Mit kleinen, leisen Schritten tasten sich die Musiker – Veronika Skuplik und Maria Carrasco (Violine), Quito Gato (Chitarrone und Barockgitarre) sowie Jörg Jacobi (Orgelpositiv und Cembalo) – in das Stück, ja wachsen förmlich hinein. Da wird Barock zum Funken schlagenden Erlebnis, so feurig und beseelt wird musiziert. Auf der Website des Ensembles ist der passende Slogan zu lesen: „Musik, die unter den Nägeln brennt“.

Wird bei Künstlern zuweilen die Spielfreude gelobt, spürt man bei UrgentMusic noch mehr: nämlich das pure Glück, sich mit diesen Klängen zu beschäftigen. Präzision und Fokussierung bestimmen jede Note: In Salomone Rossis Sonate „La Scatola“ dreht sich die Musik schneller und schneller. Alles klingt so federleicht und passt damit aufs Beste zur Kunst von Nuria Rial: Die Sängerin mit ihrer einnehmenden Ausstrahlung vermählt sich aufs Allerfeinste mit dem Spiel der Instrumentalisten und geht in ihrer lichten Klangschönheit vollkommen darin auf.

Das Programm alterniert zwischen Vokal- und Instrumentalwerken: Rial streitet mit Amor, singt vom zum Wahnsinn getriebenen Herzen und der Sehnsucht, gar vom Liebeskrieg. Diese Stimme hat unfassbar kernige Brillanz, erklingt in strahlendem Forte und funkelndem Pianissimo. Von Nuria Rial geht etwas unglaublich Warmes aus. Wie hieß es doch in Andrea Falconieris Arie „Non più d’amore“? Die Sängerin wolle die seligen Tage in süßem Gesang verbringen und verspricht sich davon ein „süßes Leben“ – für das Publikum des Mainzer Musiksommers wurde genau das an diesem Abend Ereignis.

SWR2 sendet am 5. Dezember ab 20.03 Uhr einen Mitschnitt dieses Konzerts (und des Musiksommer-Auftritts von Anna Savkina, Simon Eberle und Kalle Randalu). Weitere Aufnahmen aus dem Festival kann man dort am 6. September (Helsinki Baroque Soloists, Ludus Instrumentalis und Singphoniker) sowie am 28. November (Silke Avenhaus mit den Jungen Streichern der Villa Musica und Kibardin-Quartett) hören.

zurück