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Vier gewinnt

MAINZ (19. Dezember 2014). Weihnachten steht vor der Tür. Und damit für viele auch Stress pur: Geschenke, Baum, Essen. Und dann quäken auch noch rotnasige Rentiere und Bing Crosbys Traum von weißer Weihnacht blechern aus dem Lautsprecher! Zum Glück ganz anders klingt das Weihnachts-Special-Ensemble von „Salut Salon“ im ausverkauften Frankfurter Hof.

„Morgen kommt Salut Salon“ steht über dem Programm im musikalischen Nikolauskostüm. Angelika Bachmann und Iris Siegfried (Geige) sowie Anne-Monika von Twardowski (Klavier) und Sonja Lena Schmid (Cello) haben ihre ganz eigene Auffassung von „Coming home for Christmas“ und machen für ihr Publikum einen klangvollen „Umweg“ durch die Musikgeschichte.

„Salut Salon“ reiht hierfür aber nicht einfach bekannte Songs aneinander, sondern greift tiefer ins Repertoire: Neben Weihnachtsliedern auf Deutsch, Spanisch, Englisch, Spanisch und Französisch hört man „Joseph, lieber Joseph mein“ von Johannes Brahms, Antonio Corellis „Weihnachtskonzert“ oder Claude Debussys „Noël des enfants qui n’ont plus de maisons“ sowie Antonin Dvořáks Slawischen Tanz Nr. 2 („Hat nichts mit Weihnachten zu tun, aber klingt schön.“), ja sogar die ersten Takte von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium auf vier Blockflöten.

Akademisch gehen die vier musizierenden Grazien natürlich nicht an die Musik heran, sondern würzen ihr virtuoses Spiel mit erfrischendem Humor: „Mr. Sandman“ wird zum Schneemann, womit „Salut Salon“ an die legendären „Andrews Sisters“ erinnert, und beim Intonieren des in Weihnachtsliedern am zweithäufigsten verwendeten Vokals O „entflammt“ der Tannenbaum. Da zu Weihnachten viel ferngesehen wird, spielt das Quartett ein Medley aus Titelmelodien und Jingles oder gibt Statler und Waldorf aus der Muppet-Show – zu geistig darf es ja auch nicht werden.

Nicht nur mindestens ein Stück von Astor Piazzolla – an diesem Abend ist es sein „Engelstanz“ – und der Auftritt der musikalischen Handpuppe Oskar, die rührend Klavier und Cello spielt, gehören zum Markenzeichen von „Salut Salon“: Es ist das perfekte Zusammenspiel, die offen zur Schau gestellte Liebe zur Musik und vor allem zum gemeinsamen Musizieren sowie der Spaß daran, dies für ein klassikaffines Publikum zu tun.

Was mit vollem Körpereinsatz und zuweilen geradezu artistischem Spiel geschieht: zu viert auf einer Tastatur, gemeinsam an Cello und Geige, über Kopf, auf oder hinter dem Rücken, rasant und doch stets harmonisch. Ebenfalls eine wichtige Rolle hat der Gesang: Transparent, homogen und mit wunderbar kräftigem Organ verleiht „Salut Salon“ selbst ausgeleierten Klassikern ein neues vokales Gewand. Schließlich ist es nicht zuletzt der intelligente Witz, mit dem die Künstlerinnen sich der „ernsten Musik“ annehmen, der die Darbietung einzigartig macht. Da capo!

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