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Happy birthday, Johann Sebastian!

HOFHEIM (21.März 2025). Sollte sich Bachs Geburtstag einmal runden, steht die Musikwelt Kopf und überschlägt sich mit Feierlichkeiten. In der Hofheimer Thomaskirche wird das Wiegenfest des großen Komponisten hingegen jedes Jahr am 21. März mit einem Konzert begangen, in dem natürlich seine Musik erklingt.

Für den 340. hatte der hiesige Thomaskantor Markus Stein eigentlich gemeinsam mit Bassbariton Klaus Mertens (und damit dem Bachinterpreten schlechthin) ein eigens auf dessen Stimme zugeschnittenes Programm entworfen. Leider zwang eine schlimme Erkältung den Sänger, der erst vor einer Woche in Wiesbaden in der Matthäuspassion der Schiersteiner Kantorei brilliert hatte, zur Absage. Doch Markus Stein ist zum Glück bestens vernetzt in der Szene und konnte mit Johannes Hill für das Hofheimer Konzert (und mit Thomas Laske für den Auftritt, den er Tags zuvor mit dem Collegium Cantorum in Merzig absolvierte) nahezu ebenbürtigen Ersatz engagieren. In Hofheim sang natürlich die Thomaskantorei, in beiden Konzerten musizierten das Neumeyer Consort und der Tenor Jean Philipp Chey.

Das „Geburtstagsständchen“ war ein ansprechendes Pasticcio aus zwei kompletten Bach-Kantaten (BWV 82 und 104) sowie Partien aus weiteren, einem Choral und Gesängen aus Schemellis Gesangbuch. Eröffnet wurde mit dem Eingangschor aus BWV 98 „Was Gott tut, das ist wohlgetan“, den die Thomaskantorei engagiert und gut vorbereitet anstimmte. Ihr Dirigent ist Barockmusiker durch und durch und verstand es einmal mehr, seine Sängerinnen und Sänger entsprechend mitzuziehen – eine überzeugende Leistung.

Dazu trug sicherlich auch das mit nur acht Musikerinnen und Musikern besetzte Neumeyer Consort bei. Hier agieren ebenfalls Fachleute für Alte Musik, die mit inspiriertem Spiel nicht nur das Publikum begeisterten, sondern auch den Chor an die Hand zu nehmen und elegant zum Kern der Musik zu führen verstanden. In Hofheimer bestach vor allem die schlanke Form, gab sie der Musik doch einen kammermusikalischen Goût, was dem Konzert durchaus die Atmosphäre einer familiären Hausmusik, wie sie bei Familie Bach früher gepflegt wurde, verlieh.

Bei den Solisten, die sich vier Schemmeli-Lieder paritätisch teilten, hätte man sich beim Tenor vielleicht eine Spur mehr Reflexion gewünscht, dafür entschädigte der eingesprungene Bariton für Mertens Absenz voll und ganz. Johannes Hill sang die Solokantate BWV 82 „Ich habe genug“ mit delikatem Timbre und einem ganz feinen Vibrato, das die Töne zu einem eher flirrenden Schwingen brachte – kein Jota zu wenig oder zu viel. In der berühmten „Schlummer-Arie“ schwebte der Sänger präsent über einem mit entrücktem Piano spielenden Orchester, um im Da capo die Rollen zu tauschen: Hier nahm er sich leicht zurück und die Instrumentalisten traten ein wenig hervor – eine schöne und vitalisierende Idee.

Vor der Kantate BWV 104 „Du Hirte Israel höre“, die beide Solisten und der Chor sangen, erklang eine Collage aus drei Strophen des Chorals BWV 340 „Herzlich lieb hab ich Dich, o Herr“, dessen zweite nur vom Neumeyer Consort gespielt wurde, und zwei Stücken aus BWV 159 „Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem“, darunter die wunderbare Bass-Arie „Es ist vollbracht“, die Hill mitreißend pulsierend intonierte, und der Schlusschoral „Jesu, Deine Passion“. Beide Choräle erklingen auch (anders gesetzt) in der Johannespassion.

Fazit: An Bachs Musik kann man sich ohnehin nicht satthören, doch wenn sie, wie an diesem Abend, von Menschen musiziert wird, die derart mit Feuer und Flamme dabei sind, dann ist das ein wirklich gelungenes Geburtstagsgeschenk, über das sich der alte Bach sicherlich gefreut hätte. Gratulationen also für ihn – und Genesungswünsche an den erkrankten Klaus Mertens, der bei einem Auftritt im November 2024 bei einem „Elias“ vor Ort von der Hofheimer Bachtradition erfahren und spontan den Wunsch geäußert hatte, aus diesem schönen Anlass hier wieder aufzutreten. Vielleicht (und hoffentlich) klappt es ja zum 341. oder einer der folgenden Geburtstagspartys.

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