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Servus! Wir hatten die Ehre!

Nein, die neue CD der „Ersten Allgemeinen Verunsicherung“ ist natürlich nicht das Letzte. Aber sie ist tatsächlich die letzte, die jetzt von der österreichischen Band auf den Plattenmarkt geworfen wurde. Es ist ein Abschiedsalbum ohne Nostalgie, dafür aber mit knisternder Aktualität in gewohnt prickelnder Text-Musik-Mischung. Und auf dem gilt, was sein Titel verkündet: „Alles ist erlaubt“.

Zum einen erlauben sich die Verunsicherer erneut pointiert, die Zeichen der Zeit zu deuten: Sie besingen den „Trick der Politik“ und damit die Ursache für die gleichnamige Verdrossenheit, sie üben scharfe Religionskritik („Rabenschwarz und Weiß“) und gehen natürlich auch mit der neuen Rechten und ihrer Heimatduselei scharf ins Gericht („Rechts 2/3“ und „Verflucht“). „Alles ist erlaubt“ beschreibt mit dem ersten Lied den Ist-Zustand, in dem sich zu viele zu wenig darum scheren, ob sie gegen Recht oder Anstand verstoßen; und ganz folgerichtig heißt es dann im vorletzten Song („Freiheit“), dass der Mensch offenbar nicht für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Autarkie geeignet ist. Das Album ist thematisch und stilistisch so bunt, wie man es von der EAV kennt, ja erwartet – inclusive der kurzen Audio-Comics.

Doch in das Abschiedsgeschenk an die Fans schleichen sich auch wunderbar leise, nachdenkliche und balladeske Töne: „Am rechten Ort“ ruft einem ins Gedächtnis, dass weite Teile Europas (und damit man selbst!) Zeit ihres Lebens in Frieden und Wohlstand leben dürfen. Thomas Spitzer singt hier. Sein Lieblingssong ist das von Kollege Lemo intonierte „Gegen den Wind“; in Anlehnung an Cervantes „Don Quijote“ wendet er sich an die Schar der Kreativen und fordert sie auf, in ihrem Träumen für eine bessere Welt nicht nachzulassen. Bitterböse Ironie oder plakatives Veganer-Bashing („Salatisten“): Stets ist die Textgestaltung bis in die letzte Silbe fein austariert: Klaus Eberhartinger und Thomas Spitzer zelebrieren die Verse so, dass man die CD gleich von vorne hören möchte.

Im Jahr 2019 geht die EAV auf Abschiedstournee – aus und vorbei, schließlich marschieren die Vorderen ja auch schon auf die 70 zu! Was bleibt, sind Alben mit richtig gutem Austro-Pop – vom „Ba-ba-Banküberfall“ auf „Geld oder Leben“ (das Album, mit dem die EAV 1985 auch in Deutschland Fuß fasste) bis zum nachdenklichen „Der letzte Brief“ auf dem aktuellen Album, in dem sich die Band gegen jeglichen Krieg wendet. „Es ist nie zu spät“ heißt ein weiterer Song auf „Alles ist erlaubt“. Und so ist es auch nie zu spät, Danke zu sagen: Danke, EAV – für über 40 Jahre richtig tolle Musik!

Erste Allgemeine Verunsicherung: Alles ist erlaubt | Ariola (Sony Music) EC 0016

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