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Passt nicht gibt’s nicht

Zugegeben: Die Kombination von Jean-Philippe Rameau und den größten Hits der schwedischen Popgiganten von ABBA mutet erst mal, bleiben wir diplomatisch, recht gewagt an. Aber diese CD ist ja auch eine Produktion der Lautten Compagney Berlin. Und daher wundert einen hier eigentlich nichts mehr, steht das vor mittlerweile über 40 Jahren von Wolfgang Katschner und Hans-Werner Apel gegründete Ensemble nicht nur für exquisite Interpretationen Alter Musik, sondern vor allem auch für das Unkonventionelle. „Dancing Queen“ heißt das hinreißend musizierte Album.

Das informative Booklet von Stefan Schickhaus bemüht sich auch gar nicht, diese spannende Kompilation zu erklären oder gar zu begründen. Beide Musiken eigneten sich damals wie heute zum Tanzen. Das muss reichen. Und es reicht. Man erfährt stattdessen genug über Rameau und dessen letztes Werk „Les Boréades“, aus dem Katschner neben „Naïs“, „Les Indes Galantes“ und „Hippolyte et Aricie“ sowie den Pieces de Clavessin die Stücke ausgewählt hat, die zwischen den Hits von ABBA erklingen. Diese wiederum hat Bo Widget für Barockorchester arrangiert, wozu jeweils die wunderbare Saxophonistin Asya Fateyeva stößt.

Dabei verzichten die Arrangements geschickt darauf, die bekannten Melodien von Benny Andersson und Björn Ulvaeus in ein barockes Gewand zu kleiden: Es ist „nur“ die Besetzung (und deren unbändige Spielfreude), die die Musik in einer früheren Epoche spiegelt. Und das funktioniert wirklich prächtig, denn man merkt den Stücken eine tiefe Kenntnis der barocken Klangfarben und Effektenlehre an. Die Singstimme übernimmt das Saxophon und erklingt in Kombination mit anderen Blasinstrumenten.

Die Lautten Compagney steht seit jeher für volle Hingabe an die Musik, die sie spielen. Auch bei ABBA: „Mit „Gimme! Gimme! Gimme!, „Voulez-Vou“, „Mamma Mia“ und allen anderen Arrangements erlebt das Projekt alles andere als sein Waterloo, dafür die Hörer der CD einen unglaublich spannenden Höreindruck der Kombinationen von Instrumenten und pulsenden Rhythmen.

Dass auch Rameau diesen Geist atmet, versteht sich von selbst: Es ist Musik, die der Lautten Compagney auf den Leib geschrieben zu sein scheint. Und genau so klingt sie zwischen „Dancing Queen“ oder „Money, Money, Money“. Dass es dem Ensemble mit solchen Produktionen nur um Letzteres geht, ist eine unlautere Annahme, denn gerade die Kombination aus von Barockspezialisten interpretierter Alter und Neuer Musik hat ein großes Werbepotential für die Klänge vergangener Tage: So fetzig wie Abba klingt der Rameau nämlich auch.

Und daher kehrt man nach den delikaten Barockstücken gerne zu Track 8 von „Dancing Queen“ zurück und dreht den Regler mal bis zum Anschlag auf, um „Thank You For The Music“ zu hören. Eigentlich hätten diese fünf Worte ja schon gereicht, um die neue CD aus Berlin zu besprechen.

Dancing Queen: Rameau meets ABBA| Asya Fateyeva (Saxophon), Lautten Compagney Berlin | dhm/Sony Music 19802802552

Bis zum 30.Juni 2025 ist ein Konzertmitschnitt in der 3sat-Mediathek zu sehen: https://www.3sat.de/kultur/musik/dancing-queen-abba-rameau-asya-fateyeva-100.html

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