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Poetische Korrespondenzen

Mit dem Album „Morgensterne“ stellen der Tenor Patrick Grahl und Liedpianistin Klara Hornig zwei sehr unterschiedliche Vertonungen der Lyrik Christian Morgensterns einander gegenüber: Johannes Weyrauchs kontemplative, von Choral und Volkslied geprägte Tonsprache trifft auf Alexander Zemlinskys spätromantische Klangwelt. Robert Schumanns Heine-Lieder bilden dabei einen poetischen Rahmen.

Grahl und Hornig haben sich hörbar intensiv mit den Komponisten auseinandergesetzt, was der Interpretation große stilistische Sicherheit verleiht. Bereits das eröffnende „Trost im Gesang“ von Schumann markiert den programmatischen Kern des Albums und beleuchtet den im Lied konservierten Spannungsbogen zwischen äußerer Wahrnehmung und innerer Resonanz. Mit Rondeau haben beide Künstler bereits die 2024 erschienene CD „Das ferne Lied“ mit Werken von Wilhelm Weismann und Rudolf Wagner-Régeny realisiert. Nun finden sie erneut zu einer bemerkenswert ausbalancierten Partnerschaft.

Grahls Gesang strömt mit einer Selbstverständlichkeit, die jede Anstrengung vergessen lässt: Selbst exponierte Höhen bewahren Leichtigkeit und klangliche Geschlossenheit. Besonders eindrucksvoll ist die Kunst der kleinen Geste: Der Sänger entwickelt musikalische Spannung aus feinsten Veränderungen von Klangfarbe, Dynamik und Phrasierung; ein behutsam zurückgenommenes Piano, ein sorgsam ausgesungener Ton oder eine kaum wahrnehmbare dynamische Nuance genügen, um den emotionalen Gehalt eines Liedes nachhaltig zu vertiefen. Klara Hornig erweist sich dabei als ebenso sensible wie eigenständige Partnerin: Sie greift gesangliche Linien auf, führt sie weiter oder setzt ihnen eigene Akzente entgegen. Dadurch entsteht ein kammermusikalischer Dialog, der von Konzentration und gestalterischer Übereinstimmung lebt.

Gerade diese ausgewogene Balance prägt den besonderen Reiz der Aufnahme: Das intime Klangbild lässt selbst feinste dynamische und klangliche Abstufungen hervortreten, ohne die Eigenständigkeit der beiden musikalischen Partner einzuschränken. Das so entstandene feinsinnige musikalische Porträt punktet durch klangliche Differenzierung und die Kunst des aufmerksamen Lauschens – eine herzliche Einladung auch an die Hörerschaft.

Morgensterne – Schumann, Weyrauch, Zemlinsky | Patrick Grahl (Tenor), Klara Hornig (Piano) | Rondeau Production ROP6286

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