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Pomp und lyrische Ruhepunkte

Manche Dinge brauchen ihre Zeit: Die nun durch das Label Glossa präsentierte Aufnahme des „Te Deums“ (H. 146) von Marc-Antoine Charpentier durch Le Concert Spirituel unter der Leitung von Hervé Niquet ist bereits mehr als zwei Dekaden alt. An Frische und Originalität hat die Interpretation jedoch keinen Deut eingebüßt.

Wer schon einmal ein von Hervé Niquet geleitetes Konzert von Le Concert Spirituel live erleben durfte, wurde Zeuge, wie lebendige Barockmusik im Moment entsteht. Denn der Dirigent ist eigentlich keiner: Niquet schlägt nicht, was das Orchester spielt, denn das agiert vollkommen autark. Der Leiter ist hier eher Regisseur, was der Darbietung jedoch nicht schadet – im Gegenteil: Niquet hat im Vorfeld offenbar genau aufgezeigt, wohin die Reise gehen soll, was seine Musiker zutiefst und hörbar verinnerlicht haben. Hier erlebt man keine akademisch gespielte Barockmusik, sondern lustvoll musiziertes Savoir vivre. Dass man ein solches Erlebnis auch auf CD bannen kann, dokumentiert diese Einspielung.

Mit gesundem Elan beginnt das „Te Deum“ mit jenen Klängen, die jeder als Eurovisionshymne kennt. Niquet setzt ihnen jedoch zwei majestätisch musizierte Marches pour les Trompettes (H. 547) voran – ein Entrée, wie es festlicher kaum sein könnte. Das „Prélude“ nimmt das Orchester, das elegant zwischen ausladendem Tuttiklang und zarten, gleichsam kammermusikalischen Passagen wechselt, mit raschem Tempo. Im Folgenden lauscht man begeistert dem nur 13-stimmigen Chor, der einem eine viel sattere Besetzung vorgaukelt. Aus ihm treten die Solisten für die Arien hervor. Dass das „Te Deum“ neben seinen großen Orchester- und Chorpartien auch wunderbare, geradezu lyrische Ruhepunkte zaubert, zeigen Niquet und seine Musizierenden gerade hier bespielhaft und vor allem anregend kurzweilig.

Doch Charpentier hat ja nicht nur das „Te Deum“ geschrieben: Auf der CD sind auch noch das „Dixit Dominus“ (H. 202), das „In Honorem Sancti Ludovici Regis Galliae Canticum“ (H. 365) und die Motette „Domine Salvum Fac Regem (H. 291) zu hören – transparent, homogen und so lebendig musiziert, als wäre sie eben nicht schon ein wenig älter: sowohl die Aufnahme, als auch die Musik.

Marc-Antoine Charpentier: Te Deum | Le Concert Spirituel, Hervé Niquet (Leitung) | Glossa cabinet GCD C81603

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