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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Mit Badesalz auf nach Dugi Otok!

Sie können sich ja eigentlich alles erlauben, alles tun – oder eben lassen: Aber Gerd Knebel und Henni Nachtsheim, die kreativen Köpfe, die sich als „Badesalz“ und Transformation der Bembel schwingenden und äppelwoi-geschwängerten, kurz hessischen Mentalität Kultstatus erbabbelt haben, tun eben das nicht. Wenn sie aufdrehen, bekommt Comedy einen Hauch von Heimat und Identität, wirds „ebbe oifach witzisch un‘ lustisch“.

Der aktuelle Streich trägt den nebulösen Namen „Dugi Otok“ und gemeint ist damit eine Insel vor der kroatischen Küste in der Adria; aber dazu später mehr.

Das Theater spielt in „Betzels Guittar Shop“ – orthografisch zwar falsch, aber dafür war das Schild billig. „Hebbe“ und „Gemal“ heißen auch nicht Betzel, aber dafür war das Schild billig: „Mit drei t wärs noch preiswerter gewesen und mit vier hätt’stes nachgeschmisse‘ bekomme‘“, mault Gerd „Hebbe“ Knebel und Henni „Gemal“ Nachtsheim kann auch mit der neuen Ladentheke, an der schon alle Musikgrößen standen, keinen Stich machen: „Auch de‘ Ray Charles? Der musst des Dreckding wenigstens net sehe‘.“

Kein Kunde, kein Umsatz, keine Perspektive. Aber dafür viel Zeit zum Streiten, um skurrile Ideen zu entwickeln, Kunden ins Geschäft zu locken. Und um ein Black Metal-Festival in Dugi Otok zu organisieren: „Der Chris war da, wollte auf ein Festival und es gab keins – also gibt es eine Nachfrage!“, wirbt Hebbe für seine Idee. Gemal sinniert inzwischen über das Geblitztwerden im Straßenverkehr und wünscht sich zuvor ein einfühlsames Warnblinken mit einem Softblitz. „Halbschwul“, meint Hebbe.

Dass man mit einem solchen Teamwork keine Instrumente verkauft, ist klar. Aber wäre Badesalz sonst Badesalz? Eine Kinderhotline zur Wissensvermittlung, originelle Sortimentserweiterungen und Serviceleistungen werden diskutiert, wobei die beiden ihr mimisches und vor allem, nun ja, dialektisches Talent wieder schwergewichtig in die Waagschale werfen.

Nur Quatsch also? Natürlich nicht: Gemal gewinnt zum Schluss einen Auftritt beim Greenpeace-Festival auf – wo wohl? – Dugi Otok und singt dort seinen Song, der Solidarität mit den Fischen einfordert, von denen der Mensch schließlich abstammt. Dies wird ebenso nachvollziehbar erklärt, wie die Vorteile von Folter: Wenn Misshandlungen Plünderungen nach sich ziehen, die wiederum für Preissteigerungen sorgen, weswegen sich die Misshandler nichts mehr leisten können und verhungern, ist das doch logisch, oder?

Und dann sind da noch eine spirituelle Geisterbeschwörung, der Herr Kettler, der die Gitarre nie kauft, Hebbe, der den Kindern mausmäßig erklärt, wie die Kolibakterien ins Wasser kommen, Angst vor islamistischem Terrorismus und die Erkenntnis, dass laut Gemal der Dialekt eine sträfliche Missachtung der deutschen Hochsprache ist und nur von Hilflosigkeit zeugt. Hebbe gibt hierauf die einzig richtige Antwort: „Voll halbschwul.“

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