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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Evgenia Rubinova spielt im Rahmen der SWR2- Konzertreihe „Internationale Pianisten in Mainz“

Für das jüngste Konzert in der Reihe „Internationale Pianisten in Mainz“ hatte der Radiosender SWR2 die russische Musikerin Evgenia Rubinova gewinnen können, die seit einigen Jahren in Deutschland lebt und die Meisterklasse von Lev Natochenny an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt besucht.

Schon in Frédéric Chopins (1810-1849) Sonate Nr. 2 in b-moll stellt Rubinova ihr Talent unter Beweis, verschiedene Stimmungen im jähen Wechsel und ohne Bruch darzustellen: Wild jagend beginnt sie die Sonate, um bald in ein verträumtes Schlendern zu verfallen und sogleich wieder in vorwärts drängenden Passagen weiter zu eilen. Das Seitenthema in Dur gerät ihr anmutig mit warmem Klang.

Nach dem rasanten Scherzo, dessen Chromatik die Pianistin traumwandlerisch beherrscht, ist es der Marche funèbre, der ihre Interpretation ausmacht, gibt es doch im Klavierwerk Chopins nur wenige Sätze, die so beklommen anmuten wie dieser: Rubinova greift die Idee auf und interpretiert den Totentanz mit seinen weitgriffigen Akkord- und Oktavsprüngen fahl und düster. Fast unwirklich und schemenhaft nimmt sie die in Klang gegossene Dunkelheit auf und erinnert mit der schweren Basslinie an Gräbergeläut.

Die Fantasie in h-moll op. 28 von Alexander Skrjabin (1872-1915) verlangt dem Interpreten ein hohes Maß an Virtuosität ab. Evgenie Rubinova besitzt sie zweifelsohne und versteht es auch hier, die dramaturgischen Wechsel voller Kontraste und gewagter Übergänge stimmig umzusetzen. Die Werkauswahl erweist sich auch deshalb als eine gute, da die Pianistin mit Skrjabins Fantasie gelungen zu ihrem gemeinsamen Landsmann Rachmaninow überleitet.

Der zweite Konzertpart gehört den sechs Moments musicaux op. 16 von Sergei Rachmaninow (1873-1943), Charakterstücken mit unterschiedlichem Impetus. Vier davon stehen in moll, zwei in Dur. Evgenia Rubinova spürt in jedem Moment musicaux den Ideen Rachmaninows nach: Schnell und dahinfließend gerät ihr das Andantino in Nr. 1, vital und verspielt in kleinen wie großen Gesten das Allegretto in Nr. 2. Der Stimmungswechsel folgt im dritten Moment, wo Rubinova eine verlorene und einsame Impression weckt; auch das Adagio sostenuto in Nr. 5 strahlt eine angenehme Ruhe nach dem impulsiven Presto in Nr.4 aus. Im finalen Maestoso in C-Dur zieht Evgenia Rubinova dann noch mal alle Register ihrer Virtuosität – und erntet Beifallsstürme.

SWR2 sendet einen Konzertmitschnitt am Samstag, den 21. Juni 2008 ab 20.03 Uhr im Programm „Aus dem Land: Musik“.

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