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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Kabarett „MännerKulturen“ bietet Qualitätswitze mit Prädikat

Wer schon befürchtete, dass richtig gut gemachtes und klassisches Nummernkabarett den Eintagsfliegen platter Comedy das Feld räumen muss, dem kann ein Abend mit dem Kabarett „MännerKulturen“ getrost alle Ängste nehmen – das Programm „KnallZart“ ist ganz großes Theater.

Angekündigt werden „Qualitätswitze mit Prädikat für die, die es sich verdient haben und es sich leisten können, auf hohem Niveau über andere zu lachen“. Das hohe Ross, auf das sich die Herren Peter Frohleiks, Theo Vagedes und Tobias Willmann zu den Klängen Bachscher Klavierklänge schwingen, können sie aber mehr als passabel reiten.

Mit viel Bewegung, darunter ein eleganter Tanz ums Wasserglas, ein zirkusreifes Anzuganziehen, ein burschikoses und babybemanntes Bäuerchen-Ballett oder die Pantomime des glorreichen deutschen Sommermärchens sind schon mal optische Leckerbissen.

Nach Höhepunkten zu suchen, ist sinnlos – das ganze Programm ist spitze: Die sportliche Kriegsberichterstattung vom Völkermord in Ruanda, die den Weg ins innovative Fernsehen weist, ein Hochgesang auf den germanischen Schnäppchenwahn, bewegte Männer auf dem Laufband, die warm verbrüdert den Zusammenhang zwischen Sex und Wirtschaftswachstum erklären oder eine an den alten Tegtmeier erinnernde Nummer über das arbeitende Geld – das alles ist Kabarett auf allerhöchstem Niveau.

Die drei Mimen sind noch dazu äußerst sympathisch, weswegen man ihnen gerne und aufmerksam zuhören möchte. Was man auch tunlichst sollte, denn sonst würde man so geniale Nummern verpassen wie die von den drei Gewehrkugeln, die existenzielle Fragen um Sinn und Sein diskutieren oder den kurzen, aber knackigen Sketch, in dem abfindungsaffine Manager, Politiker auf der Schwelle zu schwedischen Gardinen oder die Kirche treffsicher ins Fadenkreuz der Satire genommen werden.

Und es geht auch international: Drei Cowboys, die sich darüber unterhalten, ob der schießwütige Texaner Bush zukünftig mit ihnen reiten darf, lassen den US-Präsidenten über die Eisbahn der Lächerlichkeit schlittern. Schnell noch ein Statement zum Geschlechterkampf und die männlich-mangelhafte Bindungsfähigkeit wird per Krawattenknoten ad absurdum geführt.

Kurzum – das aktuelle Programm „KnallZart“ macht seinem Namen alle Ehre: Es zündet in jeder Nummer einen Knaller und mundet mit dem süßen Schmelz zartbitterer Schokolade. Eine Frage bleibt allerdings unbeantwortet: Wo ist einer, der sich verschluckt hat? Bleibt zu hoffen, dass dies in einem neuen Programm geklärt wird – bald!

Informationen zu den Künstlern, Programmen und Tourdaten von „Männerkulturen“ gibt es unter www.maennerkulturen.de.

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