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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Unter Hundemenschen

Mainz und sein Umland scheinen sehr hundefreundlich zu sein: Die Phönixhalle, in die der bekannte Tiertrainer Martin Rütter zu seinem Themenabend „Hund – Deutsch / Deutsch – Hund“ eingeladen hat, ist komplett ausverkauft. Vierbeiner allerdings sind keine da – oder nur teilweise, denn angesichts der Jacken seiner Sitznachbarn müsste man sich aus den mitgebrachten Hundehaaren eigentlich ein paar ganz passable Caniden zusammenfilzen können.

Martin Rütter selbst ist bekannt wie ein bunter Hund: Im WDR saß er auf der „Couch für alle Felle“ und der Privatsender VOX bietet dem „Hundeprofi“ eine interessante Plattform, wenn es um die Kommunikation zwischen Zwei- und Vierbeiner geht. Das ist auch Thema des gut zweistündigen Vortrags, mit dem der findige Hundeflüsterer schon über 200.000 Gäste unterhalten hat. Und es klappt auch in Mainz, denn Rütter versteht es, Wissenswertes äußerst unterhaltsam zu verpacken. Dass er in Deutschland damit auf offene Ohren stößt, dokumentiert die animalische Population, die täglich in mittlerweile unzähligen Zoo-Reportagen, Dokus und Ratgebern über die Mattscheiben sprintet, watschelt, kreucht und fleucht.

Zu Beginn gibt es ein bisschen erhellenden Small-Talk, aus dem hervorgeht, dass nur eine kleine Minderheit der Gäste keinen Hund hat. Interessant ist der Abend aber auch für sie, denn es geht in erster Linie nicht um Erziehung, sondern um fehlgeleitete Kommunikation.

So machten Herrchen und Frauchen nicht selten den Fehler, ihre Fellnase zu vermenschlichen: „Wenn einer zu seinem Hund sagt: ‚Hier ist der Papa‛, sollte er sich darüber im Klaren sein, dass das biologisch unmöglich und der Versuch außerdem strafbar ist“, transportiert Rütter seine Informationen fast schon kabarettistisch. Derart menschliches Fehlverhalten führe oft zu Problemen, da das Tier die Erwartungshaltung seiner Halter eben nicht erfüllen könne.

Ein anderes ist das Thema Toleranz: „Beim Hund finden wir süß, was beim Menschen Ekel erregend ist – und ich bin jetzt nicht beim Lecken…“ Schelmisch stellt Rütter das besoffene Herrchen und den Vierbeiner auf eine Stufe, wenn beide frühmorgens mit dentalem Gout ihren Kopf auf Frauchens Bettkante legten. Auch stehe Bello bei vielen an erster und damit falscher Stelle: „Das Winseln Ihres Hundes hören Sie sofort, aber den Asthma-Anfall Ihres Mannes erst, wenn der Krankenwagen vor der Tür steht – und dann auch nur, weil der Hund bellt.“

Ohne den moralischen Zeigefinger vokal in die Luft zu bohren drängt der Tierversteher doch dazu, sich schlau zu machen, bevor man einen Hund in sein Leben lässt. Dass hierbei viel schief laufen kann, erläutert er anhand des „Welt-Welpen-Abholtages“, an dem der kleine Familienzuwachs oft über Gebühr strapaziert werde – womit man wieder bei der überhöhten Erwartungshaltung wäre.

Über Brutpflegeinstinkte, die dazu führten, dass der Hundehalter seinen vierbeinigen Begleiter eigentlich immer in Schutz nehme („Der will doch nur spielen…“) über die richtige Anrede („Hunde heißen mit Nachnamen meist Sitz, Platz oder Aus…“), Quietschigel, Gummihühner und Strasshalsbänder arbeitet sich Rütter bis zu den verschiedenen Rassen vor: „Der Labrador hat bis zu seinem 15. Lebenjahr den geistigen Horizont eines Welpen, den Hütehund interessiert nichts und ein Jack Russel-Terrier hat nur zwei Dinge im Kopf: Abhauen und Sex sowie Sex und Abhauen.“

Es gibt also viel zu lachen, wenn Martin Rütter aus dem Alltag seiner Hundeschule erzählt, deren Mainzer Dependence er vielleicht ein bisschen zu oft ins Spiel bringt. Und so gut wie jeder Hundehalter dürfte sein Tier, vor allem aber sich selbst oft wiedererkennen.

Ausgewogen und zwischen Witz und Wissen pendelnd liefert der Tiertrainer kurzweiliges Infotainment. Das Augenzwinkern dabei ist nicht zu übersehen, denn auch Rütter outet sich gerne als Mitglied der Gattung „Homo sapiens canis familiaris affinitas“, der „Hundemenschen“, die jeden hassen, der ihren Kläffer nicht sofort so bedingungslos und innig liebt wie sie: „Artfremde finden das immer skurril…“

Weitere Informationen zum „Hundeprofi“ gibt es unter http://www.ruetters-dogs.de.

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