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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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„Albernheit verhindert den Ernst der Lage“

MAINZ (17. Juni 2012). Sie sind für ein Überleben genau so wichtig wie die viel zitierten nachwachsenden Rohstoffe: Willy Astors „Nachlachende Frohstoffe“, so der Name des neuen Programms aus der Verseschmiede des bajuwarischen Ausnahmekomikers.

Und er bricht mit einer Tradition, denn während er auf der Bühne ein verbales Tor nach dem anderen schießt, kickt sich das deutsche Team ins Viertelfinale der Europameisterschaft. Und das war nicht selbstverständlich, denn schließlich hatte Astor bei den glücklosen Auftritten seiner Landsleute aus München ob in Dortmund oder daheim stets Auswärtsauftritte. Der Fluch scheint also gebannt und so hat an diesem Abend jeder etwas zu jubeln.

Das Publikum im Frankfurter Hof allemal: Astor geht erst einmal auf Tuchfühlung und beweist hierbei erfrischendes Stand up-Talent. Frech fragt er ein Pärchen über Beziehungsstand und Sexualleben aus: „Nicht, dass es mich was angeht, aber die Leute hier interessiert’s halt.“ Er kann mit Jung und Alt, plaudert locker, kommentiert das Outfit der Gäste: „So ein Oberteil hat meine Mutter auch mal getragen – als in München ‚Winnetou‛ angelaufen ist.“

Dann jedoch geht es los: Zu Beginn ein Liebeslied mit dem Titel „Es ist noch Platz in meinem Herzen“, das jedoch nach einer Zeile abbricht. Denn: „So viel Platz ist da jetzt auch nicht.“ Dann doch lieber ein Countrysong mit Pferdegetrappel und nüsternem Schnauben. Aber nur bis kurz nach acht: Der Gaul sei in der Dienstleistungsgewerkschaft „Pferdi.“ So geht es weiter und Astor schafft ihn immer wieder, diesen Spagat zwischen bodenlosem Kalauer und sprachlichem Höhenflug.

Jene Spannung macht den Reiz seiner Komik aus, die zuweilen auch mal kräftig hinlangt, wenn er als „Atilla Roger Schoss“ im Folterparadies zur „Tour des Schreckens“ einlädt: „Be locker, ansonsten gibt’s Lockerbie.“ Da schallt es von der Bühne „Im Graben vor mit steht ein kleines Mädchen“ und „Serben bringen Glück“; im Kinderland werden „Schmerzartikel“ angeboten und auf die „Nap-Alm“ geht es mit der „Tali-Bahn“, deren Fahrtpreis sich aus den „Kosten vor Anschlag“ errechnet. Dass einem hier das Lachen zuweilen schwerfällt, adelt den Ulk als gelungene Satire.

Doch für Schwermut bleibt natürlich keine Zeit. Denn Willy Astor will die Leute zum Lachen bringen, was ihn zuweilen selbst knarzend ins Mikrofon kichern lässt. An Gitarre und Keyboard rückt er der Pop-Musik genauso zu Leibe wie er sich am großen Buffet der Sprache verköstigt: Er zersägt die Wörter, kombiniert sie neu, mit anderen, extrahiert deren Sinn und fügt ihn an unerwarteter Stelle wieder urkomisch ein, leitet das Denken in gänzlich neue Bahnen und jongliert mit Silben und Buchstaben wie ein veritabler Artist.

Im Finale kredenzt er einmal mehr eines seiner berühmten Wortspiele, diesmal aus der Welt der Werbung: „Ich bin der Karl Gohn und jetzt mag‘ i‘ fix erzählen von Jakobs Krönung, wo ich all‘ die Lied’l spielte.“ Auch hier heißt es zuhören, damit man nichts verpasst!

Weitere Informationen und Termine gibt es im Internet unter http://www.willyastor.de.

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