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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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„Magdeburger Zwickmühle“ im „Wahn ohne Sinn“

MAINZ – Ihr aktuelles Programm heißt „Wahn ohne Sinn“ und passt bestens in die Zeit der Krise. Spielort ist Deutschland, das Sujet die alltägliche Manie im Politischen, das wie eine endlose Geschichte stets die gleichen Verrücktheiten zu reproduzieren scheint. Ein gefundenes Fressen also für die Zwickmüller aus Magdeburg.

Mögen die Mühlen der Bürokratie zuweilen langsam mahlen: Die „Magdeburger Zwickmühle“ hat sich schon vor den ersten Wahltagen warmgelaufen und hält gekonnt Vor-, Rück- und Nabelschau. Als notorisch belogenes Wahlvolk – „Ist doch egal, von wem wir regiert werden – denen sind wir ja auch egal…“ – wird einmal mehr mit der Politprominenz abgerechnet, ohne allerdings bestimmte Köpfe rollen zu lassen.

Marion Bach, Hans-Günther Pölitz und Klaus Schaefer haben stets das komplette System im Visier. Im breitesten Dialekt beschwört man immer wieder das Untergegangene herauf, um die Schwächen des Bestehenden zu deuten: Statt nachgetrauert wird hier gnadenlos aktuell seziert. Und zu entdecken gibt es viel im „Land von Einstein, Gottsched und Heine – heute eher Beckstein, Gottschalk und Heino…“

Dabei ist die vordergründige Pointe nicht das vorrangige Anliegen der Magdeburger, wobei es dank der – manchmal vielleicht auch ein bisschen zu – vielen munter eingestreuten Kalauer genug zu lachen gibt. „Wahn ohne Sinn“ hat jedoch doppelte Böden: Die jüngste „Berliner Rede“ von Bundespräsident Köhler wird auf Allgemeinplätze abgeklopft und mit Entsprechungen ausgerechnet bei Wilhelm Busch belegt, das Grundgesetz neu ausgelegt („Alles Gehalt geht vom Volke aus…“) und die Gesundheitspolitik gegen den Strich gebürstet: „Wenn alle Ärzte so praktizieren würden wie Ulla Schmidt Politik macht, hätten die Pathologen alle Hände voll zu tun.“

Natürlich gibt es auch einige Dauerbrenner wie die Bahn, die durch als Service getarnte neugierige Fahrkartenautomaten den gläsernen Kunden vorführt. Schnell wird klar, dass die Bahn als gewinnorientiertes Unternehmen schon lange „an die Börse geht“, auch wenn sie dadurch noch nicht zum volkseigenen Betrieb wird. Dazu Hans-Günther Pölitz so trocken wie aktuell: „Warte noch ein paar Tage…“

Ins Schwarze trifft auch der Sketch vom basisorientierten Sozialdemokraten, der einen Psychiater aufsucht, mit manch scharfem Witz: „Nachdem Münte seine Frau in den Tod gepflegt hat, nimmt er sich jetzt die Partei vor.“ Als Ensemble schmiegt sich die „Magdeburger Zwickmühle“ passgenau in die einzelnen Nummern, die gekonnt von Liedern und klassischem Couplet verbunden werden.

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