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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Bescherung am 54. November

MAINZ (17. Dezember 2010). Wahrscheinlich sind sie die harmonischsten Brüder nach Kain und Abel: Volker und Thomas Martins, das „Chaostheater Oropax“. Und dieser Name ist Programm, wobei das eher für das Chaos gilt. Denn Friede für die Ohren, wie es der ähnlich geschriebene Gehörschutz verspricht, bricht hier nicht aus. Und auch sonst schont Oropax nichts – weder sein Publikum, noch die Sprache. Und am wenigsten sich selbst.

Mit dieser gleichsam abgeholzten Schonung kokettieren die beiden auch in ihrem Weihnachtsprogramm „Der 54. November“, das sie jetzt im Frankfurter Hof spielten. Hier werden die Feste eben gefeiert, wie sie fallen – Hauptsache, die Bescherung ist groß. Und so, wie Weihnachten als ritualisiertes Fest immer wieder ähnlich bis gleich ausfällt, bringen die Martins-Brüder ihren Nonsens auf die Bühne, ohne dass nach bald 20 Jahren Abrieberscheinungen zu bedauern sind.

Denn wer eine Vorstellung von Oropax besucht, der weiß spätestens beim zweiten Mal, worauf er sich einlässt: Keine Jacke und kein Schuh sind sicher, Blondinen in der ersten Reihe werden begehrt und selbstverständlich Nahrungsmittel für komödiantische Zwecke entfremdet. An diesem Abend entflammen Schoko-Nikoläuse in der Mikrowelle und eine Gans wird mit der Motorsäge zerlegt. Oropax spielt mit der Grenzüberschreitung wie mit dem Feuer und freut sich diebisch, wenn man sich die Finger verbrennt.

Wobei hinter dem Schwach- durchaus Tiefsinn steckt, denn die Wortwitze, mit denen Oropax auch an diesem Abend wieder glänzt, bis es schmerzt, zeigen, wie akribisch dieses Chaostheater inszeniert: Da wird ein Werwolf zum Wiefuchs, ein Fisch im Glas zu Apfelsaftscholle mit Vitamin See, der heilige Franz von Assisi formlos nach Adudu umgesiedelt. Und wer wusste schon, dass der Nikolaus eine Krücke namens Ruprecht braucht. Schließlich ist dieser sein Ge(h)-Hilfe…

Als echte Clowns ohne Manege verfügen die Martins-Brüder über ein gepflegtes Repertoire exzentrischer und grotesker Possen mit hohem Wiedererkennungswert, so dass das Publikum auch an diesem „54. November“ den Auftritten des ewig störenden Mönchs oder anderer debiler Charaktere aus dem Panoptikum des Wahnsinns entgegenfiebert. Eine Handlung hat der Abend nicht, dafür jedoch ein Trommelfeuer aus Gags mit entwaffnender Selbstironie, die die Würde des jeweiligen Bühnenpartners bewusst antastet. Und so wird auch diese Hardcore-Weihnachtsshow wieder zum konfessionsübergreifenden Heidenspaß.

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