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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Der mit dem Puschelmikrofon fragt

MAINZ (21. September 2011). Keine Frage, er liebt die Deutschen: Der Franzose Emmanuel Peterfalvi lebt seit 20 Jahren in Hamburg und arbeitet als mittlerweile äußerst erfolgreicher Kabarettist sowohl auf der Bühne als auch in der eigenen Fernsehshow. Dem Zuschauer ist er allerdings unter einem anderen Namen bekannt: Alfons, der mit dem Puschelmikrofon, der als Meinungsforscher getarnt seine abstrusen Fragen in deutschen Fußgängerzonen stellt und manch schillernde Antwort darauf erhält.

Im Unterhaus spielte er jetzt erneut sein Programm „Mein Deutschland“, das er jedoch stets behutsam an die aktuelle Nachrichtenlage anpasst. Doch auch die Evergreens der Umfragen, der Besuch im Schrebergartenverein oder die Statements zur Kehrwoche sieht man immer wieder gerne: Als er eine wackere Schwäbin fragt, warum sie auch dann putze, wenn alles noch blitzsauber wäre, druckst diese lange wortlos herum, um sich letztendlich bürgerlich aus der Affäre zu ziehen: „Weil es eben Vorschrift ist!“

„Was ist Liebe?“, fragt Alfons in einem anderen Einspielfilm: Der einen reicht es, wenn ihr Mann mal frische Socken anzieht, ein anderer bringt seinen Ford Mustang ins Spiel. Und Liebe unter Männern? Da fällt eine Frau ihr klares Urteil: „Igitt, igitt“, um auf die Nachfrage „Und zwischen Frauen?“ zu antworten: „Ja, das schon eher…“ Mit harmlosem Dackelblick, aus der Distanz klar ironischen Fragen und ausgestattet mit dem Mikrofon als Insignie der vierten Macht im Staate entlockt dieser gallische Till Eulenspiegel seinen Wahlmitbürgern Aussagen, bei denen sich die Nackenhaare sträuben oder das Zwerchfell zuckt.

Zwischen den bekannten und neuen Clips erweist sich Alfons als charmanter Plauderer, der es versteht, auch ohne Kamera zu parlieren. Zum Auftrittsort passend erklärt er den Unter-schied zwischen Gutenberg und Guttenberg: „Der eine hat das Drucken erfunden, der andere das Kopieren.“ Das Wahlergebnis in Berlin kommentiert er verwundert: „1,8 Prozent für die FDP? Mit so viel hatte ich nicht gerechnet.“ Und die geringe Geburtenrate in Deutschland will er mit einem Gesetz anheben: „Beim Rauchen hat das doch super funktioniert: Verhü-tungsmittel sind in Zukunft erlaubt – aber nur noch vor der Tür.“ Des Deutschen Liebe zur Judikative ist dabei ein Lieblingsthema des Parisers: „In Frankreich haben wir Straßenschilder nur als Dekoration – und eine rote Ampel ist ein Vorschlag.“

Interessant ist indes, dass er mit seinem subversiven Interview-Stil noch immer auf Ahnungs-lose trifft. In einer brandaktuellen Umfrage hakt Alfons zum Thema Griechenland nach: „War es ein Fehler, Griechenland in die EU aufzunehmen?“ Die Antwort der Befragten ist erwar-tungsgemäß: „Ja.“ Und Uruguay? Auch hier vernimmt man ein deutliches: „Ja.“ Gelegentlich fährt ihm allerdings auch ein Fan in die Parade und vermasselt den Flirt mit einer hübschen Passantin: „Ganz toll, was sie da machen.“ Recht hat der Mann.

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