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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Wortschöpfer trifft auf Weltenlenker

MAINZ (6. Oktober 2016). Wenn Werbung im Fernsehen läuft, ist das nicht selten die Zeit um Getränke aufzufüllen, einem Bedürfnis nachzugehen oder schlicht umzuschalten. Reklame ist allgegenwärtig und selbst die Lesung mit Axel Hacke, dessen neuestes Buch „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ vor drei Wochen erschienen ist, wirbt ja für die Werke des Autors, wovon der reich gedeckte Büchertisch im Foyer des Frankfurter Hofs zeugt. Nur: Hier möchte man keinesfalls wegzappen. Und unterbräche ein noch so spannender Thriller diese „Werbung“ – der Abend wäre hinüber.

So aber nimmt Hacke sein Auditorium einmal mehr mit auf seine Reise in die von ihm so wundervoll arrangierte Welt der Wörter und Sentenzen. Und es ist einfach ein Erlebnis, wenn dieser begnadete Schreiber seine Zeilen selber liest, denn die Nuancen und Akzente wirken nie bewusst gesetzt, sondern wie aus dem Moment heraus geboren.

„Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ ist eine herzerwärmende Parabel, die Hacke so lebendig schildert, dass man sich sofort an der Seite des Ich-Erzählers wähnt. Alles ist sofort vertraut und wirkt selbstverständlich – auch der kleine Büro-Elefant, mit dem er spazieren geht und der mit seinen 25 Zentimetern Körpergröße laut durchs Gras eines Friedhofs bricht, weil ihm Hacke mal aus einem Elefantenbuch vorgelesen hat, dass eine Herde „geräuschvoll durch den Dschungel gebrochen“ sei.

Die klugen und mit feinem Humor delikat gewürzten Dialoge zwischen Gott und dem Ich-Erzähler sind tiefgründig und malen einen Schöpfer mit menschlichen Zügen und Empfindungen. Was Hacke vorträgt, macht Lust auf mehr – Werbung eben. Wie viele der liebevoll von Michael Sowa illustrierten Exemplare des neuen Werkes an diesem Abend wohl den Besitzer gewechselt haben?

Wenn Axel Hacke liest, dann jedoch nie allein aus einem Buch – „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ ist ohnehin ein schmaler Band. Natürlich gibt es die beliebten „Verhörer“ von Liedtexten, die auch immer wieder Eingang in die Kolumnen finden, die Hacke wöchentlich für das Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ verfasst. 2015 erschien bei Kunstmann in München „Das kolumnistische Manifest“ mit fast 300 Artikeln zu Rekord-Karpfen, Wolfsburg, Donald Trumps Händen oder dem erstaunlichen Sexualleben von Insekten. Auch hieraus liest Hacke: „Ich mache das Unwichtige wichtig und das Kleine groß“, erklärt er sein Ziel, das er immer wieder über erfrischende Umwege wortgewandt erreicht.

Eine Lesung mit Axel Hacke (wie selbstverständlich auch die eigene Lektüre) lässt einen das Gleiche empfinden wie seine Familie in „Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“, als Hacke ihr von seinen Erlebnissen erzählt. Dort heißt es: „Sie umarmten mich und riefen: Wie schön sie es fänden, dass ich eine so blühende Vorstellungskraft hätte und ihren Alltag mit so detailreich erfundenen Erzählungen bereicherte und verzierte.“ Man möchte es ihnen gleichtun.

„Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ von Axel Hacke, erschienen im Verlag Antje Kunstmann, München | ISBN 978-3-95614-118-8 | 102 Seiten (illustriert von Michael Sowa) | 18 €

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