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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Nicht nur „Basta“ macht blau

MAINZ (5. Dezember 2012). „Wer will schon nach New York? Oder Toronto?“, fragt die fünfstimmige A cappella-Boygroup „Basta“ ihr Publikum im Frankfurter Hof: „Wenn er Mainz haben kann?“ Zwar wird das an diesem Abend mit Koblenz verwechselt, aber wenigstens verirren sich die Kölner topographisch nicht in Richtung Wiesbaden. Sattelfester als in Geographie ist das Quintett allemal im Gesang: „Basta macht blau“ heißt das neue Album, dass sie im Gepäck haben.

Die Tenöre Werner Adelmann, Thomas Aydintan, René Overmann sowie William Wahl und ihr Bass Andreas Hardegen singen a cappella – also (abgesehen von einem Mundharmonika-Einsatz) ohne Instrumente. An diesem Abend leider auch mit nicht besonders motiviertem Tontechniker: Im ersten Teil ist der Text der Sänger kaum zu verstehen, dafür wummert Hardegens rhythmisierendes Timbre aus den Boxen, dass die Membrane zittern. Schade eigentlich, denn die gefällige Leistung dieser Kölner besteht eben darin, dass sie eher locker herüberkommen; statt glattgelutschter Perfektion wirken Text und Musik lässiger. Die vom bandeigenen Magier besungene „optische Enttäuschung“ kann aber zuweilen auch eine akustische sein.

So ist der Mainzer Genuss leicht gedimmt, wenn „Basta“ vom Wunschdenken singt: „Dein Schielen ist kein Schlafzimmerblick“, wobei es auch nichts hilft, „auf der Waage den Bauch einzuziehen“. Das haben die Sänger von „Basta“ aber auch gar nicht nötig: Ihre Pfunde liegen eindeutig in den meist von Wahl getexteten und arrangierten Liedern. Mit ihnen und in kurzweiligen Anmoderationen führt „Basta“ sein Publikum aufs Glatteis, verspricht unmögliche A cappella-Improvisation, um dann doch „nur“ die angeblich geglückte Nummer vom Vorabend zu intonieren: Genre Ballade, Thema Duschvorhang, Hauptstimme William.

Da wird der mobile „App-Depp“ besungen, der nun weiß, mit wie viel Dezibel sein Dackel Dezi bellt, da wird vergeblich um die Eisprinzessin geworben, bei der dann mit ausgleichender Gerechtigkeit der Drink des schmierigen Konkurrenten im Ausschnitt landet oder zu Weihnachten der „Superputer“ verspeist, der natürlich superduper nach Abbas „Supertrooper“ schmeckt. Die Schweden müssen auch ran, wenn „Basta“ seinen Tour-Alltag beschreibt: „Ich werde fett und alt, weil ich nur noch bei Esso ess‘!“ Und da nun endlich die Regler am Mischpult ihren Dienst aufgenommen haben, muss man den Tipp, den die fünf Kölner in einem der neuen Songs geben, auch gar nicht so ernst nehmen – da heißt es nämlich: „Abschalten!“

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