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Schreibwolff-Magazin

Jan-Geert Wolff

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Lustiger Königsmord

MAINZ (11. Januar 2013). „Ähnlichkeiten mit historischen Persönlichkeiten sind rein zufällig“, müsste eigentlich im Klappentext zu „Macbeth“ von William Shakespeare stehen: Der Namensgeber tötet den beliebten Schottenkönig Duncan und mutiert als dessen Nachfolger zum Tyrannen, was die staatliche Ordnung auflöst – erst nach dem Tod des Despoten kann wieder ein rechtmäßiger Herrscher eingesetzt werden.

Um dieses Ränkeschmieden mit Regenten, Royals und Rache anregend auf die Bühne des kleinen Unterhauses zu bringen braucht es natürlich allerhand Personal: die drei Hexen, die Macbeth die königliche Zukunft prophezeien, seine Frau, die ihn zum Königsmord treibt, die Söhne des Königs, die Diener, den gemeuchelten Freund Banquo und dessen Geist – um nur einige zu nennen. Was nicht heißt, dass man auch viele Schauspieler benötigt, denn wenn sich Bernd Lafrenz eines Stücks des großen Engländers annimmt, dann schafft er das wie immer auch im Alleingang.

Lafrenz ist ein brillanter Mime – und äußerst vielseitig: Mit wenigen Requisiten – diesmal sind es ein Schleier, ein Hut, eine Handtasche oder ein Strauchzweig – wechselt er die Charaktere und schlüpft derart blitzschnell in verschiedene Rollen, dass selbst Dialoge nahezu ohne Bruch bestehen. Dadurch mausert sich natürlich selbst die dramatischste Handlung zur Komödie – durchaus im Sinne des Neuerfinders Lafrenz, der dennoch deutlich wieder „with Shakespeare in love“ ist.

Seine immerhin schon über 20 Lenze alte Macbeth-Bearbeitung ist allerdings nicht ganz so respektvoll wie andere Adaptionen und orientiert sich nicht zu eng am originalen Stoff: Mit viel Klamauk treibt Lafrenz die Handlung vom Schlachtengetümmel über berittene Ritter und Hexen, die sich an der dauerbeleuchteten Glaskugel die Finger verbrennen, die giftige Gattin mit Hang zur Maniküre, eine halbblinde Zofe und einen grenzdebilen Botenjungen voran. Natürlich hat auch diesmal das begeisterte Publikum seine Aufgabe und darf die quietschende Tür oder die murmelnde Bankett-Gesellschaft geben.

Als unterhaltsame Verfremdung lässt Lafrenz Shakespeare selbst, dessen Mutter und einen Kollegen vom Globe Theatre, den Mimen Richard Burbage, mitspielen, wodurch er zuweilen mehrere Ebenen übereinanderlegt und miteinander verzahnt: Dichtung und „Wahrheit“ verschmelzen hier zum situationskomischen Slapstick, was der Bühnenkünstler mit ulkiger Mimik zu unterstreichen versteht. Diesmal hat man nicht so viel Shakespeare wie sonst gesehen – gelacht wurde deswegen nicht weniger.

Weitere Informationen und Termine gibt es im Internet unter http://www.lafrenz.de.

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